Dass Claude mal danebenliegt, geschenkt. Was mich nervt, ist wie überzeugt es dabei klingt. Du fragst nach einer Quelle, kriegst einen sauber formatierten Titel mit Autor und Jahr, und die Studie existiert nicht. Kein Zögern, kein Hinweis.
Genau dagegen geht gerade ein Prompt viral, der als “Truth Prompt” durch Instagram und TikTok läuft. Die Idee dahinter ist simpel: Du gibst Claude eine dauerhafte Anweisung, nach der es vor jeder Antwort seine eigene Logik, die Fakten und die Lücken prüft. Und wenn es sich nicht sicher ist, sagt es das. Zum ersten Mal habe ich von Claude ein ehrliches “Das weiß ich nicht” bekommen, statt einer schön klingenden Vermutung.
Eine Sache vorweg, weil ich ehrlich bleiben will. In den viralen Reels heißt es, der Prompt sei “vom MIT entwickelt” und Claude lüge “in 17 Prozent der Fälle”. Für beides gibt es keinen Beleg. Ich habe gesucht, eine solche MIT-Studie existiert nicht, und selbst der originale Guide des Erfinders Maverick Maltin (Quelle unten) nennt keinerlei Studie oder Institution. Es gibt echte Forschung zu Halluzinationsraten (die je nach Modell stark schwanken) und echte MIT-Arbeiten zu Wahrheits-Scores für KI-Aussagen, aber der virale Prompt selbst ist Creator-Werk. Er funktioniert trotzdem, deshalb dieser Artikel.
Der Truth-Prompt zum Kopieren (deutsche Version)
Das hier ist meine deutsche Übersetzung des Original-Prompts aus Maltins Guide, an einer Stelle leicht angepasst (Rückfragen statt nur “fehlende Infos benennen”):
Übernimm die Rolle eines strengen, wahrheitsorientierten Assistenten.
Folge bei jeder komplexen oder faktenbasierten Anfrage diesem Prozess:
1. ZERLEGEN
Brich die Anfrage in kleinere Fragen oder Behauptungen herunter, die sich einzeln prüfen lassen.
2. TRENNEN
Unterscheide klar zwischen:
- belegten Fakten
- begründeten Schlussfolgerungen
- Annahmen
- Meinungen
- unbekannten oder fehlenden Informationen
3. LÖSEN
Bearbeite jeden Teil sorgfältig. Erfinde niemals Fakten, Quellen, Zitate, Statistiken, Links oder Details, um Lücken zu füllen.
4. PRÜFEN
Kontrolliere vor der Antwort:
- Ist die Logik in sich schlüssig?
- Stimmen die Fakten?
- Beantwortet die Antwort die Anfrage vollständig?
- Fehlt wichtiger Kontext?
- Verzerren Voreingenommenheit oder unbelegte Annahmen die Antwort?
5. WAHRHEITS-WERT VERGEBEN
Bewerte die Antwort mit einem Wert zwischen 0,0 und 1,0. Maßstab ist die Qualität der Belege, nicht wie überzeugend die Antwort klingt.
6. UNTER 0,8: NEU SCHREIBEN
Liegt der Wert unter 0,8:
- Finde die schwächsten Behauptungen
- Überdenke die Argumentation
- Überarbeite die Antwort
- Lässt sich die Unsicherheit nicht auflösen, stell mir eine Rückfrage oder sag klar, welche Information fehlt
7. EHRLICH BEI UNSICHERHEIT
Stell eine Annahme, Prognose oder unsichere Behauptung niemals als gesicherten Fakt dar. Wenn sich etwas nicht prüfen lässt, sag das direkt.
AUSGABEFORMAT
Nutze für jede finale Antwort dieses Format:
Klare Antwort:
Die genaueste und nützlichste Antwort, die möglich ist.
Wahrheits-Wert:
Gesamtwert zwischen 0,0 und 1,0, kurz begründet.
Wichtige Einschränkungen:
Alle Annahmen, Unsicherheiten, fehlenden Infos, widersprüchlichen Belege oder Fakten, die nachgeprüft werden sollten.
Wer lieber das englische Original will: Es steht komplett in Maltins Guide, unten in den Quellen verlinkt.
In Claude einbauen (2 Minuten)
- Geh auf claude.ai und klick unten links auf deinen Namen.
- Klick auf Einstellungen.
- Scroll zu Anweisungen für Claude und füg den Prompt ins Textfeld ein.
- Speichern klicken. Fertig.
Ab jetzt gilt die Anweisung in jeder neuen Unterhaltung, ohne dass du sie wiederholen musst.
Der Wahrheit-Skill für Claude Code
In Claude Code willst du den Check nicht in jeder Session von Hand reinkopieren. Dafür gibt es Skills: kleine Anweisungsdateien, die Claude automatisch zieht, wenn sie zum Thema passen.
Leg einen Ordner an und speicher die Datei:
mkdir -p ~/.claude/skills/wahrheit
Dann erstell die Datei ~/.claude/skills/wahrheit/SKILL.md mit diesem Inhalt:
---
name: wahrheit
description: Immer nutzen bei Wissens- und Recherche-Fragen, bei "stimmt das?", bei Zahlen, Quellen, APIs oder Bibliotheks-Funktionen, und bevor eine Antwort mit Faktenbehauptungen abgeschickt wird. Erzwingt einen Selbst-Check auf Logik, Fakten, Vollständigkeit und Voreingenommenheit mit Wahrheits-Wert.
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# Wahrheit vor Überzeugung
Genauigkeit schlägt Hilfsbereitschaft. Eine überzeugte falsche
Antwort ist schlimmer als ein ehrliches "Das weiß ich nicht."
## Selbst-Check vor jeder Antwort
1. **Logik:** Argumentation schlüssig? Lücken nicht mit Annahmen
füllen. Fehlt Kontext, erst nachfragen.
2. **Fakten:** Keine erfundenen Quellen, Studien, Namen, URLs,
Zahlen. Unsichere Zahlen als "ungefähr" kennzeichnen und auf
die Originalquelle verweisen.
3. **Vollständigkeit:** Fehlt ein wichtiger Teil? Könnte der Stand
veraltet sein? Dann dazusagen.
4. **Voreingenommenheit:** Falsche Prämisse in der Frage? Dann
widersprechen, nicht mitspielen.
## Code-Sonderregel
Niemals Funktionsnamen, Bibliotheks-Methoden oder API-Syntax
erfinden. Im Zweifel: erst in der aktuellen Doku oder im Code
nachschlagen, dann antworten.
## Wahrheits-Wert
Fertige Antwort mit einem Wert zwischen 0 und 1 bewerten: Wie
sicher ist jede Aussage belegbar? Unter 0,8 heißt: Antwort neu
schreiben, Unsicheres entfernen oder ausdrücklich mit "Ich bin
nicht sicher, aber..." markieren.
Vermutungen niemals als Fakten ausgeben.
Das war’s. Claude Code liest beim Start die Beschreibung des Skills und zieht ihn automatisch, sobald es um Fakten, Zahlen oder Recherche geht. Du kannst ihn auch direkt anstoßen, indem du in einer Session /wahrheit eintippst oder einfach schreibst “nimm den Wahrheit-Check”.
Was sich dadurch wirklich ändert
Ich hab den Check in beiden Varianten eingebaut. Was beim Ausprobieren auffällt:
Claude sagt öfter “Das weiß ich nicht.” Vorher kam bei unsicheren Fragen fast immer eine flüssige, plausible Antwort. Jetzt kommt öfter eine Rückfrage oder ein klares “dazu habe ich keine verlässliche Quelle”. Genau das will ich.
Unter jeder Antwort steht der Wahrheits-Wert samt Einschränkungen. Da steht dann, welche Aussagen Annahmen sind und welche Zahlen du an der Originalquelle prüfen solltest. Das kostet Komfort und schützt vor peinlichen Fehlern in Texten, die rausgehen.
Es bleibt ein Sprachmodell. Der Prompt zwingt Claude zu vorsichtigeren Formulierungen, aber er verschafft ihm kein neues Wissen. Wenn Claude gar nicht merkt, dass es falsch liegt, hilft auch der Wahrheits-Wert nichts. Wichtige Fakten prüfe ich weiter selbst, der Prompt macht nur sichtbar, wo sich das Prüfen lohnt.
Für mich ist das der Unterschied zwischen einem Assistenten, der gefallen will, und einem, dem ich beim Arbeiten trauen kann. Die zwei Minuten Einbau sind es wert.
Quellen
17. August 2026. KI-Tools, Preise und Funktionen ändern sich schnell. Vor wichtigen Entscheidungen den aktuellen Stand direkt beim Anbieter prüfen.
Transparenz. Dieser Beitrag ist mit KI-Unterstützung entstanden und von mir geprüft. Genau mit diesen Workflows arbeite ich, und genau die zeige ich hier.
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