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Claude beibringen, wie du selbst schreibst: 3 Prompts, 20 Minuten

Du gibst Claude ein paar eigene Texte, es schreibt dir auf, wie du redest, und klingt danach so. Drei Prompts zum Reinkopieren, plus zwei Wege, das dauerhaft zu machen.

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Georg Kinzel
10. August 2026

Du bringst Claude deinen Schreibstil in drei Schritten bei: eigene Texte reinkopieren und analysieren lassen, die typischen KI-Marker verbieten, das Ergebnis als Projekt-Anweisung oder als Skill festschreiben. Danach klingt jeder Text aus diesem Chat nach dir. Dauert einen Abend, kostet nichts, kein Code nötig.

Das Problem

Du lässt dir eine Mail schreiben. Inhaltlich passt sie. Trotzdem willst du sie so nicht abschicken, weil sie nach niemandem klingt. Zu glatt, zu höflich, zu viele Sätze, die du nie sagen würdest. Also schreibst du sie um, und am Ende hast du kaum Zeit gespart.

Der Grund ist simpel. Claude weiß nicht, wie du klingst. Es hat einen Durchschnitt aus vielen Texten gelernt und liefert genau den ab, solange du nichts anderes sagst. Und “schreib lockerer” hilft kaum, weil es raten muss, was du mit locker meinst.

Es gibt eine Abkürzung. Du lässt Claude deinen Stil selbst herausfinden, aus Texten, die du wirklich geschrieben hast.

Was du danach hast

Eine Liste, die deinen Schreibstil beschreibt. Wie lang deine Sätze sind, wie du Leute ansiehst, welche Wörter dauernd vorkommen, wo du Absätze brichst, was du nie sagst. Dazu eine zweite Liste mit den Sachen, an denen man KI-Texte sofort erkennt.

Beide Listen hinterlegst du einmal, danach gelten sie automatisch. Ich habe das bei mir liegen und schreibe seitdem keine Stil-Anweisung mehr in einzelne Chats.

Was mich beim ersten Durchlauf überrascht hat, war die Genauigkeit. Claude hat Kleinigkeiten benannt, über die ich nie nachgedacht hatte. Man kennt seinen eigenen Stil schlechter, als man denkt.

Voraussetzungen

Ein Hinweis, der wichtiger ist als er klingt. Nimm keine Texte, bei denen dir schon mal eine KI geholfen hat. Sonst analysiert Claude am Ende den Stil von ChatGPT und bestätigt dir, dass du klingst wie ein Modell.

Schritt 1: Texte sammeln (5 Min)

Öffne einen neuen Chat und kopier die Texte einfach untereinander rein. Ohne Formatierung, ohne Erklärung, ohne Aufräumen. Tippfehler dürfen drin bleiben, die gehören zu deinem Stil.

Mische die Sorten. Eine private Nachricht zeigt deinen Rhythmus, eine Arbeitsmail zeigt, wie du sachlich wirst, ein Post zeigt, wie du erklärst. Wenn du nur Mails an Kunden reinwirfst, lernt Claude deinen Höflichkeitsmodus und sonst nichts.

Länge ist zweitrangig. Zehn kurze Nachrichten bringen mehr als ein langer Text, weil du in der Kürze mehr Eigenheiten zeigst.

Schritt 2: Stil analysieren lassen (5 Min)

Direkt unter die Texte kommt dieser Prompt:

Das hier hab ich alles selbst geschrieben. Analysier meinen Schreibstil:
Satzlänge, Lieblingswörter, Anrede, Rhythmus, Humor, was ich nie sage.
Schreib das als Liste auf, so genau wie möglich.

Was zurückkommt, ist unangenehm genau. Bei mir standen Punkte drin wie kurze Hauptsätze, Du-Form, “Moin” als Einstieg und Kleinschreibung, sobald es privat wird.

Lies die Liste einmal in Ruhe durch und korrigier, was nicht stimmt. Claude überzeichnet gern einzelne Punkte, weil ein Muster in zwei von zehn Texten schon nach System aussieht. Schreib einfach in den Chat, was du anders siehst, und lass die Liste neu ausgeben. Das ist der Moment, in dem aus einer generischen Analyse deine Stil-Datei wird.

Schritt 3: Die KI-Verräter verbieten (3 Min)

Dein Stil ist jetzt beschrieben. Es fehlt die andere Hälfte, nämlich alles, was einen Text als Maschinentext entlarvt, egal wie gut der Stil sonst getroffen ist. Im selben Chat weiter:

Ergänz die Liste um alles, woran man KI-Texte sofort erkennt: Gedankenstriche
für dramatische Pausen, "nicht X, sondern Y", Dreier-Aufzählungen als Reflex,
Floskel-Einstiege, hohle Überschriften, Füllwörter, erfundene Zahlen.
Ab jetzt gilt: nichts davon, niemals.

Diese Muster sind gut dokumentiert. Das Repo no_ai_slop_writing_rules sammelt sie mit Vorher-Nachher-Beispielen, und wenn du tiefer einsteigen willst, habe ich daraus ein eigenes Setup gebaut: KI-Texte entschlacken.

Der auffälligste Marker ist der lange Gedankenstrich. Wenn du sonst nichts machst, verbiete wenigstens den.

Schritt 4: Dauerhaft machen (5 Min)

Jetzt liegen zwei Listen in einem Chat. Schließt du den, ist alles weg. Also legst du sie an eine Stelle, die Claude jedes Mal mitliest. Such dir einen der beiden Wege aus.

Weg A: Claude-Projekt (für alle im Browser)

In Claude links auf “Projekte”, dann ein neues Projekt anlegen (die Schritte stehen im Claude Hilfe-Center). Nenn es “Schreibt wie ich” oder wie du magst.

Im Projekt öffnest du die Projekt-Anweisungen und kopierst beide Listen rein. Darüber schreibst du einen Satz, der sagt, was damit passieren soll:

So schreibe ich. Halte dich in jeder Antwort an die Stil-Liste unten
und an die Verbotsliste. Wenn du unsicher bist, schreib kürzer und
konkreter statt eleganter.

Ein Projekt ist ein Chat-Bereich mit Dauergedächtnis. Alles, was du dort hinterlegst, gilt für jeden Chat darin, ohne dass du es je wieder erwähnst.

Weg B: Zwei Skills in Claude Code (für Terminal-Leute)

Wenn du sowieso mit Claude Code arbeitest, geht es eleganter. Du baust dir zwei Skills, die du überall aufrufen kannst.

Dafür brauchst du skill-creator aus dem offiziellen Marketplace. Wie das Installieren läuft, steht in Claude Code Skills installieren. Danach im selben Chat, in dem deine Listen stehen:

/skill-creator

Bau mir aus der Stil-Liste oben einen Skill namens "wie-ich-schreibe",
der Claude dazu bringt, in meinem Stil zu schreiben.

Und danach den zweiten:

/skill-creator

Bau mir aus der Verbotsliste einen zweiten Skill namens "menschlich",
der einen fertigen Text gegen die Liste prüft und die Treffer umschreibt.

Warum zwei statt einem? Weil die beiden zu unterschiedlichen Zeitpunkten arbeiten. Der erste läuft beim Schreiben mit, der zweite ist eine Prüfung danach, auch für Texte, die aus einer ganz anderen Quelle kommen. Zusammengelegt wird meistens nur einer von beiden wirklich befolgt.

Mein eigener Prüf-Skill liegt öffentlich auf GitHub, falls du dir die zweite Runde sparen willst: epictaste/claude-menschlich. Ich lasse ihn über jeden Artikel laufen, bevor er hier online geht. Über diesen hier auch.

Schritt 5: Gegentesten (2 Min)

Nimm eine Aufgabe, die du sonst auch stellen würdest. Eine Absage an einen Termin, eine Erklärung für einen Kollegen, ein kurzer Post. Lass sie einmal im neuen Projekt schreiben und einmal in einem normalen Chat.

Der Unterschied fällt meistens im ersten Satz auf. Wenn nicht, liegt es fast immer daran, dass die Stil-Liste zu allgemein geraten ist. Sätze wie “schreibt klar und verständlich” beschreiben niemanden. Geh zurück in Schritt 2 und verlang konkretere Beobachtungen mit Beispielsätzen aus deinen Texten.

Ehrlich: wo das schwächelt

Es macht dich nicht interessanter. Die Liste trifft deinen Ton, deine Themen und dein Urteil bringt sie nicht mit. Ein langweiliger Gedanke klingt danach genau wie du und bleibt langweilig.

Der Stil kippt bei langen Chats. Nach vielen Nachrichten hin und her rutscht Claude zurück in den Standardton. Ein kurzes “denk an die Stil-Liste” holt es zurück, in Claude Code reicht der Skill-Aufruf.

Und es fühlt sich am Anfang seltsam an, den eigenen Stil so aufgelistet vor sich zu sehen. Bei mir standen zwei Punkte drin, die ich lieber nicht gelesen hätte. Die habe ich behalten, weil sie stimmen.

Was du jetzt machen kannst

Öffne einen Chat, kopier fünf eigene Nachrichten rein und stell die Frage aus Schritt 2. Das dauert keine fünf Minuten und du siehst sofort, ob die Analyse etwas taugt. Alles danach ist nur noch Ablegen.

Weitere Setups in dem Format findest du in der Tutorial-Übersicht, und wenn dich interessiert, welche Skills bei mir langfristig hängen geblieben sind: meine Top 5.

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Quellen

  1. Claude Hilfe-Center: Projekte anlegen und verwalten
  2. Claude Code Docs: Skills (Deutsch)
  3. Offizieller Claude-Marketplace mit skill-creator
  4. no_ai_slop_writing_rules: Sammlung der KI-Verräter im Text
  5. menschlich: mein Skill zum Gegenprüfen (GitHub)

10. August 2026. KI-Tools, Preise und Funktionen ändern sich schnell. Vor wichtigen Entscheidungen den aktuellen Stand direkt beim Anbieter prüfen.

Transparenz. Dieser Beitrag ist mit KI-Unterstützung entstanden und von mir geprüft. Genau mit diesen Workflows arbeite ich, und genau die zeige ich hier.

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Häufige Fragen

Wie viele eigene Texte braucht Claude, damit die Analyse etwas taugt?
Fünf bis zehn Stücke reichen für den ersten Durchgang. Wichtig ist die Mischung: eine lockere Nachricht, eine sachliche Mail, ein längerer Post. Nur wirklich selbst geschriebene Texte reinkopieren, sonst analysiert Claude den Stil der KI, die den Text ursprünglich gebaut hat.
Brauche ich Claude Code oder Programmierkenntnisse dafür?
Nein. Der Weg über ein Claude-Projekt läuft komplett im Browser, ohne Terminal und ohne Code. Claude Code ist nur die Abkürzung für alle, die ohnehin damit arbeiten und den Stil per Slash-Befehl in jedem Projekt abrufen wollen.
Warum reicht es nicht, einfach 'schreib wie ich' in den Chat zu tippen?
Weil Claude dann rät. Die Analyse macht deinen Stil überhaupt erst benennbar: Satzlänge, Anrede, Lieblingswörter, Rhythmus, Wörter die du nie benutzt. Erst wenn das als Liste vorliegt, kann ein Modell es anwenden und du kannst es korrigieren.
Merkt danach wirklich niemand mehr, dass eine KI mitgeschrieben hat?
Die auffälligen Marker sind weg, und für Mails, Reports und Posts reicht das gut. Deine eigenen Themen, deine Beispiele und dein Urteil bringt die Liste trotzdem nicht mit. Lies jeden Text vor dem Abschicken einmal durch und wirf einen eigenen Satz rein.