Tutorial · Claude Code

Distilly: Claude lernt, wie dein bester Mitarbeiter arbeitet

Distilly, früher Colleague Skill, macht aus Mails, Chats und Dokumenten ein Profil, mit dem Claude wie eine bestimmte Person arbeitet und antwortet. Geht auch mit dir selbst oder deinem Lieblings-Unternehmer. Ein Prompt richtet es ein.

G
Georg Kinzel
28. Oktober 2026

Dein bester Mitarbeiter weiß, wie man mit dem schwierigen Kunden redet. Er weiß, wie ein gutes Angebot bei dir aussieht und was bei dir gar nicht geht. Aufgeschrieben ist davon fast nichts. Kündigt er, fängst du wieder von vorne an.

Genau für diesen Fall ist Distilly gebaut. Der Skill hieß bis August Colleague Skill und stammt vom Entwickler titanwings. Die README fängt mit genau diesem Satz an: Dein Kollege hat gekündigt und sein ganzes Wissen mitgenommen. Distilly ist kostenlos, steht unter MIT-Lizenz und hatte am 28.10.2026 gut 26.000 Sterne auf GitHub. Zum Vorgänger gibt es sogar einen technischen Bericht auf arXiv.

Du gibst Distilly, was eine Person hinterlassen hat. Distilly baut daraus ein Profil, und Claude arbeitet und antwortet danach so wie sie.

Was Distilly aus dem Material baut

Du gibst Mails, Chats, Dokumente, PDFs oder Screenshots rein. Bei einem Kollegen macht Distilly daraus zwei Teile:

Fragst du danach etwas, nimmt Claude zuerst den Ton und die Vorlieben aus dem Persönlichkeitsteil und füllt dann die Details aus dem Arbeitsteil. So kommt eine Antwort heraus, die nach der Person klingt und ihr Wissen nutzt.

Das Profil lässt sich später ergänzen. Neue Dateien werden eingearbeitet, ohne die alten Ergebnisse zu überschreiben. Sagst du im Chat „so würde er das nie machen, er würde eher …“, landet das als Korrektur im Profil und gilt sofort. Jede Änderung wird gesichert, du kannst also zu einer älteren Version zurück.

Drei Arten von Profilen

Distilly kennt drei Familien. Für dich als Selbstständigen sind vor allem die erste und die dritte spannend.

FamilieFür wenWas du reingibst
colleagueMitarbeiter, Kollegen, Mentoren, GeschäftspartnerMails, Chats, Angebote, Anleitungen, Notizen
celebrityBekannte Personen, Unternehmer, Autoren, auch erfundene FigurenInterviews, Bücher, Blogs, Videos mit Untertiteln
relationshipFamilie, Freunde, PartnerChatverläufe, Briefe

Was die Community damit schon gebaut hat, zeigt die Galerie mit über 100 Profilen, darunter bekannte Professoren und Influencer. Ein Beispiel aus der README ist ein Profil von Andrej Karpathy, das auf die Frage nach KI-Agenten in seinem typischen Ton antwortet.

Klonen kann Distilly niemanden, das schreibt das Projekt auch selbst. Claude kennt nur, was im Material steht. Gibst du drei Mails rein, bekommst du ein dünnes Profil. Gibst du die ausführlichen Mails, Angebote und Anleitungen eines Jahres rein, wird es richtig gut.

Schritt 1: Einrichten mit dem Prompt

Leg dir zuerst einen leeren Ordner an, zum Beispiel distilly-profile, und starte Claude Code darin. Fremde Profile landen nämlich im Unterordner skills/ des Ordners, in dem du gerade arbeitest. Wie du Claude Code überhaupt startest, steht in Claude Code in 10 Minuten startklar.

Dann kopierst du den Prompt aus dem Kasten oben auf dieser Seite rein. Claude prüft Git und Python, holt das Original von GitHub, legt den Skill nach ~/.claude/skills/distilly und fragt dich, wen du zuerst als Profil haben willst.

Claude fragt dich dabei ein paar Mal um Erlaubnis, zum Beispiel beim Klonen. Das ist normal, lies kurz mit und bestätige.

Einrichten von Hand

Lieber selbst tippen? Im Terminal reichen zwei Zeilen:

mkdir -p ~/.claude/skills
git clone https://github.com/titanwings/distilly ~/.claude/skills/distilly

Wichtig ist der Ordnername distilly am Ende, sonst findet Claude Code den Skill nicht. Starte Claude Code danach neu und tippe:

/distilly

Es gibt auch einen kürzeren Weg aus der README: Schreib Claude Code einfach „Install Distilly from https://github.com/titanwings/distilly, then verify that this host can discover it.“ Dann erledigt Claude die Schritte selbst.

Schritt 2: Ein Profil von einem Mitarbeiter

Sag in Claude Code: „Erstelle mit Distilly ein colleague-Profil für Anna.“ Distilly fragt dich dann ein paar Dinge ab, die du alle überspringen kannst: Rolle, Erfahrung, Eigenheiten. Dann fragt es nach Material.

Am meisten bringt, was die Person selbst ausführlich geschrieben hat. Die README gibt die Reihenfolge vor: eigene lange Texte wie Anleitungen, Angebote oder Konzepte zuerst, dann Antworten, in denen sie etwas entschieden hat, und erst danach lockere Gruppen-Chats.

So kommt das Material rein:

Vor dem Speichern zeigt dir Distilly eine Zusammenfassung von beiden Teilen. Prüf sie genau und korrigiere, was nicht stimmt. Danach liegt das Profil als eigener Skill in skills/colleague/anna/.

Bevor du loslegst, frag die Person. Mails sind personenbezogene Daten. Am besten macht der Mitarbeiter vor dem Abschied selbst mit und sucht seine wichtigsten Mails und Dokumente aus. Dann wird das Profil auch besser.

Schritt 3: Keine Mitarbeiter? Nimm dich selbst

Du arbeitest allein? Dann ist der spannendste Fall das Profil von dir selbst. Sag in Claude Code:

Use Distilly to set up my profile.

Distilly schaut zuerst nach, was Claude schon über dich lesen kann, zum Beispiel verbundene Mail- oder Kalender-Zugänge. Es schlägt dir eine Liste vor, du sagst, was davon es lesen darf, und es stellt dir nur noch die Fragen, die offen geblieben sind. Laut Projekt dauert das etwa fünf Minuten.

Am Ende siehst du das ganze Profil. Erst wenn du zustimmst, landet eine kurze Zusammenfassung in deiner ~/.claude/CLAUDE.md, die Claude Code in jeder Sitzung liest. Das volle Profil bleibt unter ~/.distilly/owner/profile.md. Ab dann weiß Claude in jeder neuen Sitzung, wer du bist, woran du arbeitest und wie du Dinge erledigt haben willst.

Soll Claude zusätzlich deine Mails in deinem Ton schreiben, gib ihm deine gesendeten Mails als Material. Wie du Claude ohne Distilly deinen Schreibstil beibringst, steht in Claude beibringen, wie du selbst schreibst.

Bonus: Frag deinen Lieblings-Unternehmer um Rat

Mit der Familie celebrity baust du ein Profil einer bekannten Person aus ihren Interviews, Büchern und Videos. Danach fragst du sie zu deiner eigenen Situation, etwa „Würdest du mein Angebot so verkaufen?“.

Distilly fragt dabei, wie gründlich es recherchieren soll. Nimm für den Anfang die günstige Variante (budget-friendly), die gründliche kostet deutlich mehr Limit. Gib am besten Material, in dem die Person selbst spricht: lange Interviews, eigene Bücher, eigene Blogs. Fremde Meinungen über sie machen das Profil schlechter.

Und behalt im Kopf, was das ist: ein Profil aus öffentlichem Material, das zeigt, wie diese Person wahrscheinlich denken würde. Eine echte Antwort von ihr ist es nicht.

Newsletter

Willst du wissen, welche KI-Tools bei mir wirklich halten und welche nur Hype sind? Im Newsletter schicke ich dir, was ich getestet habe, bevor du deine Wochenenden damit verbringst.

👉 Zum Newsletter anmelden

Quellen

  1. GitHub: titanwings/distilly (MIT-Lizenz, README mit Installation, Datenquellen und Beispielen)
  2. Distilly Install Guide (Pfade, Sammler für Slack und Co., Profil installieren)
  3. Distilly Roadmap (was die Community schon nachgebaut hat)
  4. Community-Galerie mit über 100 fertigen Profilen
  5. Technischer Bericht: COLLEAGUE.SKILL (arXiv 2605.31264)

28. Oktober 2026. KI-Tools, Preise und Funktionen ändern sich schnell. Vor wichtigen Entscheidungen den aktuellen Stand direkt beim Anbieter prüfen.

Transparenz. Dieser Beitrag ist mit KI-Unterstützung entstanden und von mir geprüft. Genau mit diesen Workflows arbeite ich, und genau die zeige ich hier.

Klau mein System

Das Setup, mit dem KI bei mir 80 % der Arbeit übernimmt. Im kostenlosen PDF: Projekt, Anweisung und fünf Vorlagen für Angebot, Kundenmail, Nachfassen, Posts und Wochenplan. Skills folgen.

Mein System holen

Häufige Fragen

Was ist Distilly?
Distilly ist ein kostenloser Skill für Claude Code und andere KI-Agenten. Du gibst ihm Material über eine Person, etwa Mails, Chats, Dokumente oder Interviews, und er baut daraus ein Profil: wie die Person arbeitet, wie sie entscheidet und wie sie sich ausdrückt. Claude kann danach so antworten wie diese Person. Das Projekt hieß früher Colleague Skill und hatte am 28.10.2026 gut 26.000 Sterne auf GitHub.
Ist Colleague Skill dasselbe wie Distilly?
Ja. Das Projekt wurde im August 2026 von Colleague Skill in Distilly umbenannt. Das Repo liegt jetzt unter github.com/titanwings/distilly, der Skill heißt distilly. Ältere Anleitungen mit /create-colleague beziehen sich auf die alte Version.
Was kostet Distilly?
Der Skill selbst ist kostenlos und steht unter MIT-Lizenz. Er läuft in deinem Claude Code und geht damit von deinem normalen Nutzungslimit ab. Kosten entstehen nur, wenn du freiwillig Zusatzdienste nutzt, zum Beispiel den kostenpflichtigen Dienst Xquik für öffentliche X-Posts bei bekannten Personen.
Darf ich die Mails eines Mitarbeiters einfach in Distilly geben?
Frag die Person vorher und sag ihr, wofür du das Profil nutzt. Mails und Chats sind personenbezogene Daten. Am saubersten ist es, wenn ein Mitarbeiter vor dem Abschied selbst mitmacht und seine wichtigsten Mails, Angebote und Notizen aussucht. Das Ergebnis wird dadurch auch besser.
Klont Distilly die Person wirklich?
Nein, und das sagt das Projekt selbst. Distilly baut ein Profil aus dem Material, das du hineingibst. Was nicht in den Mails und Dokumenten steht, kennt Claude auch nicht. Je mehr die Person selbst geschrieben hat, etwa ausführliche Mails, Angebote oder Anleitungen, desto näher kommt das Profil an ihre echte Arbeitsweise.
Bleiben meine Daten auf meinem Rechner?
Die Profile landen als Dateien auf deinem Rechner, das eigene Profil unter ~/.distilly/owner/profile.md. Claude liest dein Material dabei wie in jeder anderen Unterhaltung bei Anthropic. Zugangsdaten für Slack und Co. sollen laut Projekt nie in den Chat, die tippst du selbst im Terminal ein.