Du kaufst ein gutes Fachbuch, liest es einmal, und drei Monate später weißt du noch, dass irgendwo etwas Kluges über Verhandlungen stand. Wo genau, in welchem Kapitel, mit welcher Methode? Weg. Lesen war nie das Problem. Behalten ist es, und vor allem: das Wissen im richtigen Moment parat haben, wenn du gerade vor genau der Situation sitzt, die das Buch behandelt.
book-to-skill ist ein kostenloser Skill für Claude Code, der das Buch aus dem Regal holt und neben dich an den Schreibtisch setzt. Ich habe ihn auf mein wichtigstes Fachbuch losgelassen. Hier ist, was er macht, was er nicht macht, und wie du ihn in 20 Minuten eingerichtet hast.
Was book-to-skill macht
Du zeigst mit einem Befehl auf dein Buch. Das Tool zieht den Text aus der Datei, erkennt die Kapitel und lässt Claude daraus einen Skill bauen. Ein Skill ist in Claude Code eine Anleitung, die das Modell bei Bedarf lädt, wenn du ihn per Schrägstrich-Befehl aufrufst.
Der fertige Skill liegt als Ordner auf deinem Rechner und besteht laut Doku aus diesen Teilen:
| Datei | Inhalt |
|---|---|
SKILL.md | Die Kern-Denkmodelle des Buchs plus ein Inhaltsverzeichnis aller Kapitel |
chapters/ch01-*.md bis chNN | Eine Datei pro Kapitel, wird nur geladen, wenn du danach fragst |
glossary.md | Alle wichtigen Begriffe, alphabetisch, mit Kapitel-Verweis |
patterns.md | Alle Techniken, Methoden und Muster aus dem Buch |
cheatsheet.md | Entscheidungstabellen und Faustregeln |
Der Punkt, der das Ganze von „PDF rein, fass zusammen” unterscheidet: Die Kapitel-Dateien werden erst geladen, wenn deine Frage sie braucht. Claude schaut ins Inhaltsverzeichnis, holt das passende Kapitel und antwortet aus dem, was drin steht. Laut Doku braucht eine Frage so 24- bis 51-mal weniger Tokens, als wenn du das ganze Buch in den Kontext kippst.
Der Skill landet in ~/.agents/skills/<slug>/, einem Ordner, den mehrere KI-Werkzeuge lesen können. Unter Claude Code legt das Tool zusätzlich eine Verknüpfung nach ~/.claude/skills/ an. Neben Claude Code funktioniert das Ergebnis auch in GitHub Copilot CLI, Amp und Hermes Agent, weil alle dasselbe offene Skill-Format lesen.
Was es nicht macht
Hier muss ich ehrlich sein, weil ich es im Reel etwas zu knackig gesagt habe. book-to-skill legt dir nicht den kompletten Buchtext in Kapitel-Ordnern ab. Jede Kapitel-Datei ist verdichtet, laut Doku auf 800 bis 1.200 Tokens, und enthält bewusst keine Rohpassagen aus dem Buch. Die Doku nennt das Prinzip „Dichte vor Vollständigkeit”.
Trotzdem ist es keine Zusammenfassung im üblichen Sinn. Eine Zusammenfassung ist ein Text über das ganze Buch, in dem Kapitel 7 zu zwei Sätzen wird. book-to-skill behält die Struktur des Autors: jedes Kapitel bleibt eine eigene Einheit mit seinen Methoden und Warnungen. Du verlierst die Formulierungen des Autors, du behältst sein Gerüst.
Was das Tool außerdem nicht kann:
- OCR. Ein gescanntes PDF, also Seitenbilder ohne Textebene, bricht sofort ab. Das ist Absicht, damit der Fehler eine Sekunde kostet und nicht einen Durchlauf über 400 Seiten. Vorher
ocrmypdfdrüberlaufen lassen, dann klappt es. - Text in Grafiken. Was in Diagrammen oder Tabellen als Bild steckt, wird aus keinem Format gezogen.
- Kopierschutz knacken. Gekaufte Kindle-Bücher mit DRM gehen nicht. Du brauchst eine Datei, die du öffnen und lesen kannst.
- Kapitel raten. Die automatische Kapitel-Erkennung braucht laut Doku ausdrückliche Überschriften wie „Chapter 3” oder „Kapitel 3”. Bei Büchern, die nur Kapitel-Titel oder römische Ziffern nutzen, funktioniert die Umwandlung trotzdem, du zeigst dann aber selbst auf die Abschnitte.
Einrichtung in drei Schritten
Schritt 1: Installieren. Ein Befehl im Terminal, funktioniert für alle unterstützten Hosts:
npx skills add virgiliojr94/book-to-skill
Wer lieber ohne den Skills-Manager arbeitet, klont das Repo direkt in den Skills-Ordner von Claude Code:
git clone https://github.com/virgiliojr94/book-to-skill.git ~/.claude/skills/book-to-skill
Für die Text-Extraktion braucht das Tool Python 3 und je nach Format ein kleines Hilfspaket. Bei PDFs reicht für normale Textbücher pip3 install pypdf. Wenn etwas fehlt, sagt dir das Tool beim ersten Lauf, welchen Befehl du ausführen sollst. Reine Textdateien und Markdown laufen ohne Zusatz.
Schritt 2: Buch draufwerfen. Claude Code starten und den Skill auf die Datei zeigen:
/book-to-skill ~/Bücher/mein-fachbuch.pdf
Das Tool fragt dich zuerst, ob das Buch eher Fließtext ist oder technisch mit Code und Tabellen. Bei Fließtext nimmt es den schnellen Extraktor, bei technischen Büchern Docling, das Tabellen und Code-Blöcke sauber erhält, dafür aber rund 1,5 Sekunden pro Seite braucht. Danach analysiert Claude die Struktur, erzeugt die Kapitel-Dateien und schreibt den Skill. Die Doku rechnet bei ihren Testbüchern mit rund einem Dollar Modellnutzung pro Buch.
Optional gibst du dem Skill einen eigenen Namen als zweites Argument, sonst wählt das Tool selbst einen. Der neue Skill ist ab der nächsten Claude-Code-Sitzung da.
Schritt 3: Nutzen. Ab jetzt rufst du das Buch mit seinem Slug auf, zum Beispiel:
/mein-fachbuch # Kern-Denkmodelle laden
/mein-fachbuch Einwandbehandlung # Thema finden und erklären
/mein-fachbuch ch05 # direkt in Kapitel 5
/mein-fachbuch "welche Kapitel hast du?"
So sieht das im Alltag aus
Angenommen, du hast ein Buch über Verhandlungsführung umgewandelt. Du sitzt morgen in einem Gespräch, in dem die andere Seite den Preis drücken will, und du weißt, dass da ein Kapitel zu war.
Früher: PDF öffnen, Suche nach „Preis”, eine Trefferliste ohne Antwort, aufgeben.
Jetzt schreibst du in Claude Code:
/verhandlungsbuch Mein Kunde will morgen 15 Prozent Rabatt, weil ein Wettbewerber billiger ist. Was sagt das Buch dazu, und wie gehe ich rein?
Claude liest zuerst die SKILL.md mit dem Inhaltsverzeichnis, findet darüber das Kapitel, das zu Preisdruck und Vergleichsangeboten passt, und lädt genau diese Datei. Die Antwort stützt sich auf die Methoden aus diesem Kapitel, angewendet auf deinen Fall. Fehlt dem Buch etwas zu deiner Frage, sagt Claude das, statt etwas zu erfinden, weil der Skill nur enthält, was aus deinem Text kam.
Anders als bei „frag ChatGPT nach Verhandlungstipps” bekommst du die Methode des Autors, den du dir bewusst ausgesucht hast, in seiner Reihenfolge und mit seinen Begriffen. Kein Durchschnitt aus dem ganzen Internet.
Das funktioniert nicht nur mit Büchern. Die Doku nennt interne Dokumentation, Markenhandbücher, Papersammlungen und Spezifikationen als Einsatzfälle. Alles, was du regelmäßig wieder aufschlägst und dir wünschst, du hättest es im Kopf, ist ein Kandidat. Einen ganzen Ordner wirfst du mit einem Befehl rein, und neues Material faltest du später in den bestehenden Skill ein:
/book-to-skill ~/Doku/projekt/ projekt-wissen
/book-to-skill ~/Doku/neuer-artikel.pdf ~/.claude/skills/projekt-wissen
Unterstützte Formate
PDF, EPUB, DOCX, HTML, RTF sowie TXT, Markdown, reStructuredText und AsciiDoc laufen direkt. MOBI, AZW und AZW3 brauchen zusätzlich Calibre, weil das Tool dessen Konverter aufruft. Bei EPUB empfiehlt die Doku ebooklib und beautifulsoup4 für das beste Ergebnis, ein Fallback ohne Zusatzpaket ist aber eingebaut.
Die Verarbeitung läuft lokal, das Tool lädt deine Dateien nirgendwohin hoch. Der Text, den Claude bei der Analyse sieht, folgt den normalen Datenbedingungen deines Anbieters, wie bei jedem anderen Prompt auch.
Welche Bücher sich eignen
Nach dem, was das Tool per Bauart macht, lohnt es sich am meisten bei Büchern mit klarer Methodik: Frameworks, Regeln, Schritt-für-Schritt-Vorgehen, Entscheidungsbäume. Verhandlungsbücher, Management-Klassiker, Fachbücher zu einem Werkzeug oder einer Disziplin. Das Tool sucht ja genau danach, nach Techniken, Regeln und Fehlern, die man vermeiden soll.
Weniger sinnvoll ist es bei Erzählungen, Biografien oder Büchern, deren Wert in der Sprache liegt. Da bleibt nach dem Verdichten wenig übrig, was man beim Arbeiten anwenden könnte.
Und noch eine Warnung aus der Doku, die ich unterschreibe: Der fertige Skill ist deine private Notiz. Bei gekauften Büchern nicht teilen und nicht veröffentlichen. Das Tool bietet nach der Umwandlung an, den Skill als eigenes GitHub-Repo abzulegen, und setzt das aus gutem Grund standardmäßig auf privat.
Mein Fazit: Das Buch liegt nicht mehr im Regal. Es sitzt neben mir, während ich arbeite, und meldet sich, wenn ich es rufe. Für ein Fachbuch, das ich wirklich nutzen will, sind 20 Minuten Einrichtung ein guter Tausch.
Quellen
18. September 2026. KI-Tools, Preise und Funktionen ändern sich schnell. Vor wichtigen Entscheidungen den aktuellen Stand direkt beim Anbieter prüfen.
Transparenz. Dieser Beitrag ist mit KI-Unterstützung entstanden und von mir geprüft. Genau mit diesen Workflows arbeite ich, und genau die zeige ich hier.
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