Leute kommen auf deine Seite und tragen sich nicht ein. Oder sie fragen nichts an und buchen keinen Termin. Deine Statistik zeigt dir, wie viele wieder gehen. Warum sie gehen, zeigt sie dir nicht. Freunde schauen drüber und sagen „sieht gut aus“. Und fragst du Claude im normalen Chat, bekommst du allgemeine Tipps, die auf jede Seite passen.
Ich habe diese Woche ein Paket an meiner eigenen Seite getestet, das genau dieses Problem angeht. Es heißt Marketing Skills und lässt Claude deine Seite nach einer festen Liste prüfen, das Wichtigste zuerst. Danach schreibt Claude dir bessere Überschriften und Button-Texte. Bei mir kam raus, dass meine Überschrift durchfällt und die bessere schon auf der Seite steht, nur weiter unten.
Warum Besucher abspringen
Wer auf deiner Seite landet, gibt dir ein paar Sekunden. Der Skill cro fragt deshalb als Erstes, ob ein Besucher in fünf Sekunden versteht, was er hier bekommt und ob er gemeint ist. Versteht er das nicht, ist er weg, bevor er bis zum Formular kommt.
Dazu kommt, dass du dein Angebot selbst kennst. Du liest deine Überschrift mit allem Wissen im Kopf, das ein Fremder nicht hat. Deshalb klingt sie für dich klar und für ihn wie ein Rätsel.
Was die Marketing Skills sind
Das Paket heißt auf GitHub coreyhaines31/marketingskills. Gebaut hat es Corey Haines, ein Marketer aus den USA mit eigener Agentur für Landingpages und Conversion. Es steht unter MIT-Lizenz, ist also kostenlos, und hat 55.582 Sterne (Stand 20.10.2026). Die aktuelle Version 2.13.0 ist vom 19. Oktober 2026.
Drin sind 52 Skills. Ein Skill ist eine Anleitung, die Claude liest, wenn deine Frage dazu passt. Die Sammlung deckt fast alles ab, von SEO über Werbeanzeigen bis zu Kaltakquise-Mails. Für deine Landingpage reichen zwei:
- cro prüft die Seite. CRO steht für Conversion-Optimierung, also dafür, dass mehr Besucher das tun, wofür die Seite da ist. Der Skill geht in fester Reihenfolge durch: Wertversprechen, Überschrift, Button, Aufbau, Vertrauen, Einwände und alles, was beim Eintragen bremst. Was schnell geht und viel bringt, kommt zuerst.
- copywriting schreibt neue Texte. Bevor er loslegt, schaut er, ob deine Seite schon eine eigene Stimme hat. Wenn ja, behält er sie. Er hat außerdem eine eigene Liste von Mustern, an denen man KI-Texte erkennt, und vermeidet sie.
Die README ist voll mit Links auf Coreys Agentur, seine Kurse und bezahlte Partner-Tools. Für die Prüfung deiner Seite brauchst du davon nichts.
Einrichten: welcher Weg in fünf Minuten klappt
Ganz oben auf dieser Seite steht der Prompt. Kopier ihn in Claude Code und schick ihn ab. Es gibt drei Wege, und sie sind unterschiedlich gut. Der Prompt lässt Claude prüfen, welcher bei dir passt.
Claude Code mit Node.js. Node ist ein Programm, mit dem viele Werkzeuge laufen. Hast du es in Version 22.20 oder neuer, holt Claude mit dem Installer von Vercel nur cro und copywriting. Das ist ein einziger Befehl.
Claude Code ohne Node. Dann nimmt Claude das offizielle Plugin. Das sind auch nur zwei Befehle, das Plugin bringt aber alle 52 Skills mit. Deren Beschreibungen sind zusammen rund 41.000 Zeichen lang, und Claude hat sie ab dann in jeder Sitzung im Kopf. Das kostet Platz, den du sonst für deine Arbeit hättest. Node extra zu installieren, nur dafür, sprengt die fünf Minuten. Darum lässt der Prompt das bleiben. Von Hand sind es zwei Zeilen im Claude-Code-Chat:
/plugin marketplace add coreyhaines31/marketingskills
/plugin install marketing-skills
Nur die Claude-App. Laut README holst du dir von der Release-Seite die Dateien cro-claude-web.zip und copywriting-claude-web.zip und lädst sie in Claude unter Customize, dann Skills einzeln hoch. Skills und Code-Ausführung müssen in deinem Konto erlaubt sein. Diesen Weg habe ich nicht selbst durchgeklickt. Der Prompt ist darauf vorbereitet: Kann Claude nichts installieren, soll er dich durch diese Schritte führen.
Für meinen Test habe ich die Skills in einen leeren Testordner gelegt und Claude dort laufen lassen. Die drei Wege oben stehen so in der README. Fünf Minuten sind realistisch, wenn du Claude Code schon hast. Falls nicht: Claude Code in 10 Minuten startklar.
Nach der Installation fragt Claude dich nach deiner Seite und deinen Zahlen. Dazu weiter unten mehr.
Mein Fall: „Klau mein System“ fiel durch
Geprüft habe ich meine Seite georgkinzel.de/start/. Dort gibt es ein kostenloses PDF gegen die E-Mail-Adresse. Oben steht als Überschrift „Klau mein System“. Ich finde die gut. Sie passt zu meinem Instagram-Profil und klingt nach mir.
Ich habe Claude zweimal laufen lassen, beide Male mit einem normalen deutschen Satz, ohne einen Skill-Namen zu nennen. Beim ersten Mal: Meine Seite bringt zu wenig Eintragungen, was soll ich ändern? Claude hat sich den Skill cro von selbst gezogen und war nach 88 Sekunden fertig. Beim zweiten Mal bat ich um eine neue Überschrift und einen neuen Button-Text. Da kam copywriting.
Der erste Punkt auf der Liste war die Überschrift. Ein neuer Besucher weiß nach fünf Sekunden nicht, welches System das ist und ob es ihn betrifft. Weiter unten steht bei mir als Zwischenüberschrift „Die Arbeit, die abends liegen bleibt, macht die KI“. Claude dazu:
„Das ist deine stärkste Zeile, und sie steht gerade erst im ersten H2. Teste sie als H1.“
H1 ist die Hauptüberschrift, H2 eine Zwischenüberschrift. Der zweite Lauf hat dieselbe Zeile unabhängig davon auch gefunden und als eine von drei Varianten nach oben geholt. Die bessere Überschrift habe ich also selbst geschrieben, sie steht nur an der falschen Stelle.
Danach kam mein Angebot dran. Da steht, man bekommt „Projekt, Anweisung und fünf Vorlagen“, dazu „Teil 1“ und „Skills folgen“. Claude:
„Für Leser klingt das nach Technik und nach etwas Halbem.“
Da hat er recht. Wer Claude noch nicht kennt, kann mit „Projekt“ und „Skills“ nichts anfangen. Zu meinem Satz, dass KI bei mir 80 % der Arbeit übernimmt, hieß es: „Das ist eine große Behauptung, und es gibt keine Kundenstimme, keine Zahl und keinen Screenshot.“ Und der Button oben in der Leiste führt auf genau die Seite, auf der man schon ist. Vorschlag: „Lass ihn stattdessen zum Formular springen.“
Gut fand ich, dass beide Läufe auch gesagt haben, was bleiben soll. Der Satz unter meinem Button, dass man einmal pro Woche eine Mail bekommt und sich jederzeit abmelden kann, stand ausdrücklich auf der Liste „nicht ändern“. Zu meinem Ton schrieb der zweite Lauf: „Den behalte ich bei.“ Und eine Prognose hat er sich verkniffen: „Ob die neue Version wirklich mehr Eintragungen bringt, kann ich nicht vorhersagen.“
Umgestellt habe ich die Überschrift noch nicht. Das entscheide ich gerade.
Meine Zahlen: Das größere Problem lag vor der Seite
Am Ende der Prüfung kam eine Frage, die ich spannender fand als die ganze Liste:
„Wenn du mir sagst, wie viele Besucher und Eintragungen du ungefähr hast und woher der Traffic kommt (vermutlich Instagram?), kann ich gezielter priorisieren.“
Davor hatte Claude drei mögliche Ursachen aufgezählt: zu wenig Besucher, Besucher tragen sich nicht ein, oder sie tragen sich ein und bestätigen die Mail nicht. Zur ersten Ursache stand da: „Dann hilft keine Textänderung, sondern mehr Traffic“.
Also habe ich meine Zahlen geholt, die Woche bis zum 18. Oktober. Über Instagram kamen 132 Besucher auf meine Website. Auf /start/ landeten davon 9. Die meisten gingen auf Artikel wie diesen hier. Die Seite selbst hatte 22 Aufrufe, 8 Leute haben das Formular abgeschickt, 7 haben die Mail bestätigt.
Das ist eine kleine Stichprobe. Die Richtung stimmt trotzdem: Wer /start/ sieht, trägt sich zu einem guten Teil ein. Mein größeres Problem ist, dass kaum jemand dort ankommt. Eine bessere Überschrift bringt mir also etwas, ein besserer Weg von den Artikeln zur Seite aber wahrscheinlich mehr. Ohne die Frage nach den Zahlen hätte ich das übersehen.
Was die Skills zuerst von dir wissen wollen
Hast du keine Notizen über dein Angebot hinterlegt, legt keiner der Skills sofort los. Sie fragen erst:
- cro will wissen, was für eine Seite das ist, was Besucher dort tun sollen und woher sie kommen. Dazu kommen Fragen nach deiner aktuellen Quote, nach dem, was nach dem Eintragen passiert, und nach dem, was du schon ausprobiert hast.
- copywriting stellt rund zwölf Fragen in vier Blöcken: wofür die Seite da ist, wer sie liest und wie diese Leute reden, was du anbietest und womit du es belegen kannst, und woher der Traffic kommt.
Leg dir deshalb vorher zwei, drei Zahlen hin: Besucher und Eintragungen der letzten Woche, dazu die wichtigste Quelle. Ungefähr reicht. Der Prompt oben fragt das alles am Anfang auf einmal ab, damit du nicht fünfmal hin und her schreibst.
Im Paket steckt noch ein Skill namens product-marketing. Der legt eine Datei mit deinem Angebot, deiner Zielgruppe und deren Wortwahl an, und alle anderen Skills lesen sie zuerst. Für eine einzelne Seitenprüfung brauchst du ihn nicht.
Wo die Skills für deutsche Solo-Seiten danebenliegen
Das Paket kommt aus der Welt der US-Softwarefirmen. Das merkt man an ein paar Stellen, und die solltest du kennen, bevor du Vorschläge übernimmst.
Standardtipps, die du nicht umsetzen kannst. Kundenlogos, Bewertungen, Zeilen wie „5.000 Leute haben das schon geladen“. Bei mir mit 12 Kontakten auf der Liste geht das nicht, und erfundene Stimmen sind tabu. Auch A/B-Tests schlagen die Skills gern vor, also zwei Versionen gleichzeitig gegeneinander laufen lassen. Bei 22 Aufrufen pro Woche kommt dabei nichts Belastbares raus. Für kleine Seiten heißt testen: eine Sache ändern, eine Woche warten, Zahlen vergleichen.
Zahlen ohne Quelle. Der Skill copywriting behauptet, klare Texte brächten „+81% conversions“, nennt aber keine Quelle. Der cro-Lauf nannte mir eine Schwelle von 70 bis 80 % für bestätigte Anmeldungen, ebenfalls ohne Beleg. Solche Werte übernimmst du nicht als Fakt.
Double-Opt-in und DSGVO kommen nicht vor. Dass du bei einer Newsletter-Anmeldung in Deutschland eine Bestätigungsmail brauchst, wissen die Skills nicht. Sie prüfen es auch nicht. Lass diesen Teil deiner Seite also stehen, egal was ein Tipp sagt.
Buttons gegenlesen. Beide Läufe schlugen mir als Button „Schick mir die (5) Vorlagen“ vor. Das ist besser als mein „PDF holen“. Ich will im Button aber sagen, was jemand davon hat. PDF und Vorlage beschreiben nur die Form. Lies die Vorschläge also gegen deine eigenen Regeln.
Umsetzen bleibt bei dir. Claude ändert deine Seite nur, wenn sie als Code auf deinem Rechner liegt. Bei Wix, Squarespace oder Carrd bekommst du die Liste und die neuen Texte und tippst sie selbst ein.
Hält das oder ist das Hype?
Es hält, als Wundertool würde ich es trotzdem nicht verkaufen. Du bekommst eine Marketing-Checkliste, die du sonst nicht hättest, und Claude arbeitet sie von selbst ab, sobald du nach deiner Seite fragst. Gegenüber einem schlichten „schau dir mal meine Seite an“ hast du eine feste Reihenfolge mit den schnellen Änderungen zuerst und Textvorschläge mit Begründung. Wie viel besser das Ergebnis dadurch wird, habe ich nicht gemessen. Einen Lauf ohne Skill zum Vergleich habe ich nicht gemacht.
Den größten Wert hatte bei mir die Frage nach den Zahlen. Sie hat mir gezeigt, wo ich zuerst ansetzen sollte. Gib Claude deine Zahlen mit, dann bekommst du diese Antwort auch.
Zum Stöbern
- Marketing Skills auf GitHub (coreyhaines31/marketingskills)
- Der Skill cro im Original
- Der Skill copywriting im Original
Was ein Skill ist und was ein Plugin, steht in Claude Code Plugins vs Skills. Und wer Werbung schaltet, kann sein Werbekonto ähnlich prüfen lassen: Claude Ads.
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Quellen
- GitHub: coreyhaines31/marketingskills (MIT-Lizenz)
- marketingskills: Installation (README)
- Skill cro (SKILL.md)
- Skill copywriting (SKILL.md)
- Release v2.13.0 mit den ZIP-Dateien für Claude.ai (19.10.2026)
- marketingskills: Was in den ZIP-Dateien steckt (docs/skill-release-packaging.md)
- GitHub: vercel-labs/skills (Installer, Optionen in docs/commands.md)
- Claude Code Docs: Skills
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