Die Frau, die bei Anthropic Claude Code leitet, hat in einem Podcast etwas zugegeben, das ich so von keiner KI-Firma erwartet hätte. Es ging nicht um ein neues Feature und nicht um einen Benchmark. Es ging darum, wie sich das Arbeiten anfühlt, wenn KI plötzlich den Großteil der Arbeit macht.
Sie heißt Fiona Fung und ist bei Anthropic verantwortlich für Claude Code und Cowork, also genau für die Tools, mit denen man den ganzen Tag KI-Agenten arbeiten lässt. Im Juni 2026 war sie zu Gast in Lenny’s Podcast und hat über ihr eigenes Team gesprochen.
Was sie genau gesagt hat
Sinngemäß: Nach einer Weile habe sich das Arbeiten im Claude-Code-Team einsam angefühlt, weil alle nur noch mit ihren Agenten gearbeitet hätten. Der O-Ton (auf Englisch):
„After a while, we felt it could start being a lonely experience because we all started just working with our agents so much.”
Fiona Fung, Anthropic (via Fortune, 23.06.2026)
Das ist bemerkenswert. Da sagt nicht irgendein KI-Skeptiker „pass auf, das isoliert dich”. Das sagt die Firma, die das Tool selbst baut. Die Leute, die am tiefsten drin sind, haben gemerkt: Wenn man den ganzen Tag nur noch mit Agenten redet, fehlt irgendwann was.
Anthropics Gegenmaßnahme
Wichtig: Niemand hat Claude Code abgeschafft. Stattdessen hat das Team bewusst wieder Formate eingeführt, bei denen Menschen zusammenkommen: Hackathons und Pair-Programming-Lunches, bei denen die Leute zeigen, wie sie Claude Code nutzen, und wieder gemeinsam an Sachen sitzen (Quelle: Fortune).
Sie haben das Werkzeug also nicht zum Problem erklärt. Sie haben nur dafür gesorgt, dass die Zeit, die das Werkzeug frei macht, nicht automatisch in mehr Alleinsein fließt.
Warum das für dich relevant ist
Du bist kein Anthropic-Engineer. Aber der Mechanismus ist genau derselbe, sobald du anfängst, KI ernsthaft in deinen Alltag einzubauen: Die KI nimmt dir Arbeit ab. Und die Frage ist, was du mit der gewonnenen Zeit machst.
Der einfache Weg ist, die freie Zeit direkt wieder vor dem Rechner zu verbringen, mit dem nächsten Tab, dem nächsten Tool, dem nächsten Agenten. Der Weg, den ich besser finde: Die Zeit, die KI dir spart, ist eine Chance. Und die gehört nicht dafür benutzt, noch mehr allein vor dem Bildschirm zu hängen, sondern um wieder mehr mit echten Menschen zu machen. Genau das ist der Punkt, an dem KI dein Leben verbessert statt verarmt.
Mein Take
Was ich an Fungs Aussage beruhigend finde: Selbst die Macher dieser Tools haben die perfekte Balance noch nicht gefunden. Die suchen auch noch. Das nimmt dem Ganzen den Druck. Du musst nicht von Tag eins alles richtig machen.
Für mich ist die Lehre simpel und unspektakulär: KI ist ein brutaler Zeitgewinn, und Zeit ist das eine, was man nicht zurückkaufen kann. Ich versuche, die eingesparte Zeit nicht heimlich wieder in mehr Schreibtisch zu stecken, sondern in Dinge mit Menschen. Das ist keine Tech-Regel, das ist gesunder Menschenverstand. Aber er geht im KI-Hype gern unter, und dass ausgerechnet Anthropic ihn ausspricht, macht ihn leichter ernst zu nehmen.
Den ganzen Podcast hören
Das komplette Gespräch mit Fiona Fung läuft in Lenny’s Podcast (Folge „What happens after coding is solved?”, 21.06.2026). Neben der Einsamkeits-Sache geht es auch darum, wie ihr Team KI konkret einsetzt und wie sich die Rolle einer Managerin verändert, wenn überall Agenten arbeiten.
- 🎧 Ganze Folge (Video + alle Plattformen): Lenny’s Podcast mit Fiona Fung
- 🟢 Direkt auf Spotify hören: What happens after coding is solved?
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Quellen
1. Juli 2026. KI-Tools, Preise und Funktionen ändern sich schnell. Vor wichtigen Entscheidungen den aktuellen Stand direkt beim Anbieter prüfen.
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