Tutorial · Claude Code

Claude Code /goal: in Schleifen arbeiten statt prompten

Boris Cherny, der Claude Code bei Anthropic gebaut hat, promptet nicht mehr, er baut Loops. So setzt du mit /goal ein Ziel, an dem die KI sich selbst misst.

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Georg Kinzel
23. Juni 2026
Claude Code /goal: in Schleifen arbeiten statt prompten

Der Typ, der Claude Code bei Anthropic gebaut hat (Boris Cherny), hat in seinen Interviews etwas gesagt, das erstmal komisch klingt: Er promptet selbst gar nicht mehr. Sein ganzer Job sei es, Loops zu schreiben (Lenny’s Podcast). Klingt nach Entwickler-Kram, ist aber simpel. Und du kannst es genauso. Dieser Guide zeigt dir, wie du mit einem Befehl ein Ziel setzt, an dem die KI sich selbst misst, statt ihr nach jedem Schritt „mach weiter“ zu tippen. Den Prompt, der dir das einrichtet, findest du direkt hier drunter.

Zum Kopieren: der Prompt für deinen ersten Loop

Öffne Claude Code in dem Ordner, in dem du arbeitest, und kopier diesen Prompt rein:

Richte mir meinen ersten Loop ein. Geh in dieser Reihenfolge vor:

1. Öffne die Datei CLAUDE.md in diesem Ordner. Gibt es keine, leg sie an. Schreib diese Regel hinein, falls sie noch nicht drinsteht:
„Prüf dein Ergebnis gegen das Ziel, bevor du fertig sagst. Passt es nicht, mach weiter.“
Zeig mir danach, was du eingetragen hast.

2. Frag mich, welche Aufgabe du für mich erledigen sollst, und warte auf meine Antwort.

3. Mach aus meiner Aufgabe ein prüfbares Ziel. Prüfbar heißt: Man kann zählen oder abhaken, ob es erfüllt ist. Beispiel: „Jede Zahl im Angebot passt zur Preisliste“ statt „Schreib mir ein gutes Angebot“. Ist meine Aufgabe zu schwammig, frag nach, bis das Ziel prüfbar ist.

4. Gib mir zum Schluss genau eine Zeile zum Kopieren, die mit /goal anfängt. Sie enthält das prüfbare Ziel, sagt, wie du die Prüfung im Chat sichtbar machst, und endet mit „oder hör nach 20 Runden auf“. Diese Zeile tippe ich selbst ein, dann legst du los.

Was dabei passiert: Die Regel landet in deiner CLAUDE.md. Das ist die Datei, die Claude bei jedem Start liest, die Regel gilt also ab jetzt bei jeder Aufgabe. Die /goal-Zeile setzt du danach selbst ab. Ab da prüft nach jeder Runde ein zweites Modell, das nicht mitgearbeitet hat, ob dein Ziel erfüllt ist. Erst wenn es „erfüllt“ sagt, hört Claude auf (Claude Code Doku). Dieses Prüf-Modell liest nur mit, was im Chat steht. Deshalb soll Claude seine Prüfung dort zeigen, zum Beispiel jede Zahl neben die Preisliste stellen. Die Grenze von 20 Runden ist dein Notausgang, falls das Ziel doch nicht erreichbar ist.

Das Wichtigste vorab

Worum es geht, in drei Zeilen:

Am Ende der ehrliche Teil: wann sich eine Schleife nicht lohnt. Und ja, das ganze Prinzip nennt sich gerade „Loop Engineering“ (The New Stack). Aber du brauchst dafür kein einziges Stück Code.

Prompten vs. Schleife: der eigentliche Unterschied

Stell dir vor, wie du heute mit einer KI arbeitest. Du gibst eine Aufgabe rein. In der Sekunde, in der sie dir irgendetwas zurückgibt, hört sie auf. Und jetzt bist du dran: Du liest drüber, findest die Schwachstelle, tippst „mach das nochmal, aber kürzer“, liest wieder drüber, hakst wieder nach. Du bist die Qualitätskontrolle, immer und immer wieder.

Eine Schleife dreht das um. Du gibst der KI die Aufgabe und ein Ziel gleich mit dazu. Jetzt hört sie nicht mehr auf, wenn sie einfach irgendetwas produziert hat. Sie hört erst auf, wenn sie dieses Ziel wirklich erreicht. Sie prüft ihre eigene Arbeit gegen das Ziel, und wenn es noch nicht passt, schreibt sie sich selbst den nächsten Schritt und bessert nach. Du musst dazwischen nichts tippen.

Das ist der ganze Trick hinter Chernys Satz. Er gibt der KI keine Anweisungen mehr im Minutentakt. Er baut ein System, das sich selbst antreibt und selbst prüft. Am Ende schaut er drüber. Dasselbe Prinzip trägt beim Bauen: Steht als Ziel „die App läuft im Browser”, kannst du Claude die fertige App selbst testen lassen, bis der erste Klick sitzt.

Der Befehl: /goal

In Claude Code setzt du so ein Ziel mit dem Befehl /goal. Du beschreibst die Aufgabe und ein klares Fertig-Kriterium in einem Satz, und Claude Code arbeitet die Runden danach selbst ab. Nach jeder Runde prüft ein zweites Modell, ob dein Kriterium erfüllt ist.

Es gibt noch einen verwandten Befehl, /loop, aber der ist für etwas anderes: für Dauer-Überwachung auf Intervall, zum Beispiel „prüf alle 30 Minuten, ob meine Website noch online ist“. Der läuft, bis du ihn stoppst. Für eine konkrete Aufgabe mit einem klaren Ende ist /goal das, was du willst. Merksatz: /goal = es gibt eine Ziellinie. /loop = es gibt einen Takt.

Das Beispiel: Text kürzen, und die KI prüft sich selbst

Nehmen wir bewusst kein Programmier-Beispiel, sondern etwas, das jeder kennt. Du hast einen zu langen Text und willst ihn knackig haben.

Du setzt das Ziel:

„Kürz diesen Text auf unter 200 Wörter und wirf jeden Fachbegriff raus. Prüf nach jeder Runde beides und hör erst auf, wenn beides stimmt.“

Dann lässt du los. Claude kürzt, zählt die Wörter nach, findet noch zwei Fachbegriffe, schreibt nochmal, zählt wieder und liefert am Ende den fertigen Text. Du hast dazwischen nichts gemacht. Genau dieses sichtbare „sie prüft sich selbst und bessert nach“ ist der Moment, der das Ganze von einem normalen Prompt unterscheidet. (Wenn du beim Entschlacken von KI-Texten generell nachschärfen willst, hilft dir das Setup gegen AI-Slop als nächster Schritt.)

Die eine Regel, die die meisten falsch machen

Hier scheitern die meisten, und es ist immer derselbe Fehler: Das Ziel ist nicht messbar. „Mach es gut“ funktioniert nicht. Daran kann sich die KI nicht selbst prüfen. Woran soll sie merken, dass „gut“ erreicht ist?

Dein Ziel braucht etwas Zählbares oder Abhakbares:

Die Regel dahinter: Kein messbares Ziel, und die Schleife dreht im Kreis. Ein messbares Ziel, und sie arbeitet für dich, während du etwas ganz anderes machst.

Mehr Ziele zum Abschauen

Wenn du die Ziel-Zeile lieber selbst schreibst, nimm diese Vorlage und setz dein Thema ein. Eine gute Schleifen-Anweisung beantwortet drei Dinge: Was ist die Aufgabe, woran misst du „fertig“, und was soll am Ende rauskommen.

Vorlage: „[Deine Aufgabe]. Prüf nach jeder Runde, ob [messbares Kriterium] erfüllt ist, und hör erst auf, wenn es stimmt. Gib mir am Ende nur das fertige Ergebnis.“

Drei Beispiele, wie das aussieht:

Setz die Anweisung mit /goal ab und schau am Ende einmal drüber. Mehr ist es nicht.

Wann du NICHT loopen solltest

Damit du es ehrlich einordnest, denn eine Schleife ist nicht für alles das Richtige:

Der Punkt ist nicht „mehr prompten“. Der Punkt ist ein klares Ziel, an dem die KI selbst messen kann, ob sie fertig ist. Genau das hat Boris Cherny gemeint, nur dass du dafür kein Anthropic-Ingenieur sein musst.

Mehr getestete Setups findest du in der Tutorial-Übersicht. Ich teste KI-Tools und zeig dir, wie du damit echten Mehrwert schaffst, ehrlich und ohne Hype.

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Quellen

  1. Lenny's Podcast: Head of Claude Code (Boris Cherny)
  2. The New Stack: Loop Engineering
  3. Claude Code Doku: /goal

31. Oktober 2026. KI-Tools, Preise und Funktionen ändern sich schnell. Vor wichtigen Entscheidungen den aktuellen Stand direkt beim Anbieter prüfen.

Transparenz. Dieser Beitrag ist mit KI-Unterstützung entstanden und von mir geprüft. Das Beitragsbild ist KI-generiert. Genau mit diesen Workflows arbeite ich, und genau die zeige ich hier.

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Häufige Fragen

Brauche ich dafür Claude Code, oder geht das auch im normalen Chat?
Das Selbst-Prüfen über mehrere Runden ist ein Feature von Claude Code (der Terminal-Version). Im normalen Chat-Fenster gibst du eine Anweisung und bekommst eine Antwort. Danach musst du selbst nachhaken. Genau das nimmt dir die Schleife ab.
Ist das nicht nur was für Entwickler?
Nein. Das Beispiel hier ist bewusst Text kürzen, keine Programmierung. Eine Schleife funktioniert für jede Aufgabe, bei der du ein klares, prüfbares Ziel formulieren kannst: Texte, Recherche, Tabellen, Aufräumen.
Was ist der Unterschied zwischen /goal und /loop?
/goal ist für eine Aufgabe mit klarem Ziel: Die KI arbeitet, prüft sich gegen dein Kriterium und stoppt, wenn es erfüllt ist. /loop ist für Dauer-Überwachung auf Intervall (zum Beispiel alle 30 Minuten etwas checken) und läuft, bis du es stoppst. Für die meisten Macher-Aufgaben ist /goal das Richtige.
Was, wenn die Schleife sich im Kreis dreht und nie aufhört?
Das passiert genau dann, wenn dein Ziel nicht messbar ist. „Mach es gut“ kann die KI nicht selbst prüfen. „Unter 200 Wörter, kein Fachbegriff“ schon. Ein zählbares Kriterium ist die Bedingung, dass die Schleife von allein stoppt.