Tutorial · Claude Code

Claude Code Wartungs-Liste: 3 Befehle gegen verbrannte Token

Dein Claude wird träger, je länger du ihn nutzt. Drei Befehle räumen das Setup auf, zeigen wohin dein Kontext geht und holen das teure Modell nur zu den Entscheidungen.

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Georg Kinzel
23. September 2026

Am Anfang ist Claude Code leer. Keine Skills, keine Server, eine kurze CLAUDE.md. Dann arbeitest du damit. Ein Skill hier, ein MCP-Server da, nach jedem Ärger eine neue Regel in die Datei. Weggeräumt wird davon nie etwas.

Das Problem ist nicht der Speicherplatz. Alles, was beim Start automatisch mitlädt, liegt in deinem Kontextfenster, bevor du das erste Wort getippt hast. Es kostet bei jeder einzelnen Nachricht Token, und es lenkt das Modell ab. Widersprüchliche Regeln richten dabei mehr Schaden an als gar keine.

Ich hab in einem meiner Projekte nachgezählt: 437 Zeilen Regeln, die bei jedem Start mitlaufen. Das ist nur der Teil, den ich selbst geschrieben habe. Skills und Server kommen obendrauf.

Drei Befehle räumen das auf. Zwei kennen die meisten nicht, den dritten kennt fast keiner.

Befehl 1: /doctor räumt deine Regeln auf

/doctor

/doctor geht dein Setup durch und schlägt dir Kürzungen an deiner CLAUDE.md vor. Er findet Doppeltes, also Regeln, die in deiner lokalen und in der eingecheckten Datei stehen. Und er findet alles, was Claude sich beim Reinschauen sowieso selbst ableiten kann, etwa die Ordnerstruktur oder die Liste der Abhängigkeiten.

Der wichtige Teil: Er löscht nicht einfach. Was du wirklich brauchst, wandert in Skills und in kleinere Dateien, die erst laden, wenn die passende Aufgabe kommt. Deine Regeln sind danach alle noch da. Sie liegen nur nicht mehr den ganzen Tag im Weg.

Geändert wird nichts ohne dein OK. Du siehst jeden Vorschlag einzeln und lehnst ab, was bleiben soll. Was genau dabei passiert und wie sich der erste Durchlauf anfühlt, steht im Guide zum Setup-Aufräumen.

Als Zielmarke für die CLAUDE.md nennt Anthropic in den Best Practices unter 200 Zeilen. Wer wissen will, wie man von 437 auf unter 200 kommt, ohne etwas Wichtiges zu verlieren, findet den Aufräum-Prompt im Artikel zum CLAUDE.md-Kürzen.

Befehl 2: /context zeigt, wo dein Platz hingeht

/context

/context zeigt dir dein Kontextfenster aufgeschlüsselt, mit Token-Kosten pro Posten. Du siehst, was dein Auto-Memory belegt, was die CLAUDE.md kostet, was Skills, Regeln, Hooks und Plugins fressen, wie viel die MCP-Werkzeuge brauchen und wie viel Platz überhaupt noch frei ist.

Das ist der Befehl, der aus einem Bauchgefühl eine Zahl macht. Vorher weißt du nur, dass es zäh läuft. Danach weißt du, welcher Posten es ist.

Bei mir standen in einem Projekt zwölf MCP-Server und über sechzig Skills im Kontext. Das Gute daran: MCP-Werkzeuge werden inzwischen erst bei Bedarf nachgeladen, im Kontext stehen zunächst nur die Namen. Trotzdem kostet jeder Server, den du nicht brauchst, einen Eintrag in der Liste. Mit /mcp schaltest du die aus, die du nie anfasst.

Der praktische Teil kommt danach. Nimm die zwei größten Posten aus der Liste und frag Claude direkt, was davon in jeder Sitzung wirklich nötig ist und was in einen Skill kann. Er liest die Zahlen mit und beantwortet das sauber.

Befehl 3: /advisor holt das teure Modell nur zu den Entscheidungen

Den kennt kaum jemand, dabei ist er der größte Hebel bei den Kosten.

/advisor fable

Normalerweise entscheidest du dich am Anfang für ein Modell. Nimmst du das stärkste, verbrennst du auch für banale Aufgaben teure Token. Nimmst du das günstige, fehlt es dir genau an der Stelle, an der es weh tut.

Der Advisor dreht das um. Du arbeitest in einer Sitzung mit Sonnet oder Opus, und das starke Modell wird nur dazugeholt, wenn eine echte Entscheidung ansteht. Claude ruft es von selbst an diesen Punkten, du kannst es aber auch ausdrücklich verlangen, etwa mit „frag dazu mal den Advisor”. Laut Anthropics Advisor-Doku ist das in der Regel günstiger, als das teure Modell durchgehend laufen zu lassen, weil es eben nicht durchgehend läuft.

Zwei Dinge, die du wissen solltest: Der Advisor läuft über die Anthropic API, auf Bedrock oder Vertex gibt es ihn nicht. Und du kannst ihn statt per Befehl auch dauerhaft über die Einstellung advisorModel setzen. Wie sich das im Alltag rechnet und wann sich zusätzlich das Orchestrator-Muster lohnt, steht im Artikel zu den beiden Fable-Mustern.

Die Wartungs-Liste

Das ist die Reihenfolge, in der ich durchgehe. Beim ersten Mal zehn Minuten, danach zwei.

  1. /context zuerst. Schreib dir die zwei größten Posten auf. Ohne Messung räumst du an der falschen Stelle auf.
  2. /doctor laufen lassen. Vorschläge durchgehen, abnicken, was weg darf.
  3. CLAUDE.md nachzählen. Über 200 Zeilen? Frag Claude, welche Abschnitte in einen Skill können.
  4. /mcp öffnen. Jeden Server, den du seit einem Monat nicht gebraucht hast, abschalten.
  5. Skills durchgehen. Was du einmal ausprobiert und nie wieder angefasst hast, fliegt raus.
  6. /advisor fable setzen, wenn du oft an schwierigen Aufgaben sitzt.
  7. /context nochmal. Jetzt siehst du schwarz auf weiß, was der Durchgang gebracht hat.

Punkt 1 und Punkt 7 sind der Grund, warum das funktioniert. Aufräumen ohne Vorher-Nachher-Zahl fühlt sich gut an und bringt oft nichts.

Die Hebel für den Alltag

Die Wartung machst du alle paar Wochen. Das hier sind die Griffe für dazwischen.

BefehlWas er machtWann du ihn nimmst
/clearNeue Sitzung mit leerem KontextImmer, wenn du das Thema wechselst
/compactFasst den bisherigen Verlauf zusammenMitten in einer Aufgabe, wenn es eng wird
/rewindZurück zu einem früheren StandWenn eine Richtung sich als Sackgasse erweist
/usageToken, Cache und Kosten dieser SitzungEinmal am Tag, damit du ein Gefühl dafür bekommst
/modelModell wechselnKleinkram auf Sonnet, Denkarbeit auf Opus
/effortWie viel das Modell vorher nachdenktRunter bei simplen Aufgaben
/mcpServer an- und abschaltenBeim Aufräumen und wenn ein Server stört

Vier Gewohnheiten sparen dabei mehr als jeder einzelne Befehl:

/clear statt Weiterreden. Die meisten verbrannten Token entstehen, weil eine Sitzung seit drei Stunden läuft und jede neue Frage den kompletten alten Verlauf mitliest. Neues Thema, neue Sitzung.

Suchen delegieren. Wenn Claude für eine Antwort zwanzig Dateien durchgehen muss, lass das einen Subagenten machen. Der arbeitet in seinem eigenen Kontext und gibt dir nur das Ergebnis zurück. Deine Hauptsitzung bleibt schlank.

Erst planen, dann bauen. Der Plan Mode (Shift+Tab) lässt Claude erst schauen und einen Plan schreiben, bevor er Dateien anfasst. Ein Plan, den du früh korrigierst, kostet ein paar hundert Token. Ein falsch gebautes Feature kostet eine ganze Sitzung.

Regeln in Skills auslagern. Eine Regel in der CLAUDE.md lädt immer. Dieselbe Regel in einem Skill lädt, wenn sie gebraucht wird. Bei allem, was nur für eine bestimmte Aufgabe gilt, ist der Skill die bessere Adresse.

Was das im Alltag ändert

Nach dem Aufräumen startet Claude schneller und hält länger durch, bevor der Kontext eng wird. Der Effekt, den ich am deutlichsten merke, ist ein anderer: Die Antworten treffen wieder besser. Wenn 400 Zeilen Regeln mitlaufen, von denen die Hälfte veraltet ist, folgt das Modell im Zweifel der falschen.

Das ist auch der Grund, warum das eine Wartung ist und kein einmaliges Setup. Ein Setup wächst wieder zu. Alle paar Wochen einmal durch die Liste, und es bleibt schlank.

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Quellen

  1. Claude Code: Befehlsreferenz (/doctor, /context, /usage, /clear, /compact, /model)
  2. Anthropic: Escalate hard decisions with the advisor tool
  3. Anthropic: The advisor strategy
  4. Claude Code: Best Practices (CLAUDE.md unter 200 Zeilen)

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Häufige Fragen

Warum wird Claude Code schlechter, je länger ich ihn nutze?
Weil bei jedem Start mehr mitgeladen wird. Skills, MCP-Server, Regeln in der CLAUDE.md. Das liegt in deinem Kontextfenster, bevor du das erste Wort tippst, kostet bei jeder Nachricht Token und lenkt das Modell ab. Mit /context siehst du, wie viel es bei dir ist.
Wie oft sollte ich mein Claude-Code-Setup aufräumen?
Beim ersten Mal dauert es rund zehn Minuten, danach reichen alle zwei bis vier Wochen ein paar Minuten. Sinnvoller Anlass ist auch jedes größere Update oder wenn du dir in kurzer Zeit mehrere Skills oder Server installiert hast.
Was bringt der Advisor gegenüber einem starken Hauptmodell?
Der Advisor wird nur an den Knackpunkten gerufen, der Rest der Arbeit läuft auf dem günstigeren Modell. Laut Anthropics Advisor-Doku ist das in der Regel billiger, als durchgehend das teure Modell zu fahren. Freigeschaltet wird er mit /advisor plus Modellname.
Wie lang darf meine CLAUDE.md sein?
Als Ziel nennt Anthropic unter 200 Zeilen. Alles, was nur für eine bestimmte Aufgabe gebraucht wird, gehört in einen Skill, der erst lädt, wenn die Aufgabe kommt. In die CLAUDE.md gehören Befehle, Stilregeln, Ablauf und Fallen, die man nicht raten kann.
Sehe ich, was mich eine Sitzung gekostet hat?
Ja, mit /usage. Der zeigt die Token der Sitzung, die Cache-Werte und eine Aufschlüsselung der Kosten. Der Befehl heißt /usage, nicht /cost.