Mit einer Claude Code Cloud-Session arbeitet Claude weiter, wenn du den Laptop zuklappst. Die Aufgabe läuft dann auf einem eigenen Rechner bei Anthropic, und du schaust am Handy in der Claude-App nach, was er gerade macht. Kosten fallen keine extra an, du brauchst nur ein Abo ab Pro und dein Projekt auf GitHub (Quelle: offizielle Doku).
Ganz oben steht ein Prompt. Den kopierst du in Claude Code, und Claude richtet das Ganze mit dir ein. Unten steht, was dabei passiert und was du wissen solltest, bevor du dich darauf verlässt.
Das Problem: Laptop zu, Claude schläft
Claude Code läuft normalerweise auf deinem eigenen Rechner. Jede Datei und jeder Befehl läuft dort. Das ist praktisch, solange du danebensitzt.
Klappst du den Laptop zu, schläft der Rechner ein und Claude mit ihm. Du gibst ihm vor dem Mittagessen eine größere Aufgabe, kommst zurück und sie ist halb fertig. Oder du sitzt im Zug, hast eine Idee und kannst sie nicht loswerden, weil der Laptop im Rucksack steckt.
Was eine Cloud-Session ist
Eine Cloud-Session ist eine ganz normale Claude-Code-Session. Der einzige Unterschied: Sie läuft nicht bei dir, sondern auf einer frischen Linux-Maschine, die Anthropic nur für diese eine Aufgabe startet. So läuft das ab:
- Claude holt sich dein Projekt von GitHub auf diese Maschine.
- Er arbeitet daran, so wie er es auf deinem Rechner auch tun würde: Dateien lesen, ändern, Befehle ausführen, prüfen.
- Ist er fertig, schiebt er das Ergebnis als neuen Branch zurück nach GitHub. Ein Branch ist eine Arbeitskopie neben deinem Hauptstand, nichts wird überschrieben.
- Du schaust dir die Änderungen an und übernimmst sie oder sagst ihm, was er noch anpassen soll.
Die Session hört nicht auf, wenn du den Tab schließt oder den Laptop zuklappst. Sie arbeitet, bis die Aufgabe durch ist, und wartet dann auf dich. Stellt Claude zwischendrin eine Frage, kannst du sie später beantworten, und er macht dort weiter.
Starten kannst du eine Cloud-Session an vier Stellen:
- im Browser auf claude.ai/code
- in der Claude-App am Handy, unten im Tab Code
- in der Claude-Desktop-App, wenn du beim Starten Cloud statt Local wählst
- im Terminal mit
claude --cloud "deine Aufgabe"
Cloud-Session, Remote Control oder Routine?
Drei Funktionen, die ähnlich klingen und Verschiedenes machen:
- Cloud-Session: Claude läuft bei Anthropic. Dein Rechner darf aus sein. Claude sieht nur, was in deinem GitHub-Repository liegt.
- Remote Control: Claude läuft auf deinem Rechner, du steuerst ihn vom Handy. Er hat alle deine Dateien und Einstellungen, aber der Rechner muss wach bleiben. Wie das geht, steht im Artikel Claude Code vom Handy steuern.
- Routine: eine Cloud-Session, die von allein startet, zum Beispiel jeden Morgen um acht.
Faustregel: Braucht die Aufgabe Dateien oder Programme, die nur auf deinem Rechner liegen, nimm Remote Control. Liegt alles im Projekt auf GitHub, nimm die Cloud-Session.
Was du brauchst
- Ein Claude-Abo ab Pro. Team und Enterprise gehen auch, bei Enterprise nur mit Premium-Seats oder Chat-plus-Claude-Code-Seats.
- Claude Code, angemeldet mit deinem claude.ai-Konto. Mit einem reinen API-Schlüssel gehen Cloud-Sessions nicht.
- Ein kostenloses GitHub-Konto. Dein Projekt muss dort als Repository liegen, privat reicht.
- Für die Kontrolle unterwegs die Claude-App auf dem Handy.
Einrichten: was der Prompt mit dir macht
Der Prompt oben führt dich durch vier Etappen. Claude erledigt, was er im Terminal selbst kann, und sagt dir genau, wo du selbst klicken oder tippen musst.
1. Projekt prüfen. Claude schaut, ob dein Ordner schon ein Git-Repository mit GitHub-Anschluss ist. Wenn nicht, legt er eine .gitignore an. Das ist eine Liste von Dateien, die nie hochgeladen werden, etwa deine .env mit Passwörtern und Schlüsseln. Bevor irgendetwas gespeichert wird, zeigt er dir, welche Dateien rein kämen.
2. Nach Geheimnissen suchen. Claude durchsucht die Dateien nach API-Keys und Passwörtern. Findet er etwas, stoppt er. Ein Schlüssel, der einmal auf GitHub lag, gilt als verbrannt, auch in einem privaten Repository.
3. GitHub anschließen. Claude prüft, ob die GitHub CLI installiert ist. Das ist ein kleines Programm, mit dem Claude im Terminal mit GitHub redet. Anmelden musst du dich selbst, Claude sagt dir, was du tippst. Danach legt er nach deinem OK ein privates Repository an und lädt dein Projekt hoch.
4. Claude mit GitHub verbinden. Du tippst in Claude Code /web-setup und bestätigst. Damit weiß dein Claude-Konto, auf welche Repositories die Cloud zugreifen darf. Gleichzeitig wird eine Standard-Umgebung angelegt, die nur ins Netz darf, wo Programm-Pakete und GitHub liegen. Klappt /web-setup nicht, geht derselbe Schritt im Browser: auf claude.ai/code GitHub verbinden und die Claude GitHub App für dein Repository installieren. Ohne die App sieht die Cloud deine privaten Repositories nicht.
Danach gibt dir Claude einen Testbefehl. Du startest ihn, klappst den Laptop zu und öffnest am Handy die Claude-App unter Code. Dort siehst du die Session laufen.
Vom Handy starten und steuern
Ist die Einrichtung einmal durch, brauchst du den Laptop gar nicht mehr, um eine Aufgabe loszuschicken. In der Claude-App tippst du auf Code, wählst dein Repository und schreibst, was Claude tun soll. Je genauer, desto besser: „Schreib den Text auf der Startseite kürzer, maximal drei Sätze“ ist besser als „mach die Startseite schöner“.
Darunter wählst du, wie selbstständig Claude arbeitet:
- Plan: Claude schlägt erst vor, was er tun will, und wartet auf dein OK. Gut für alles, was du dir vorher anschauen willst.
- Accept edits: Claude ändert Dateien und schiebt den Branch hoch, ohne zu fragen.
- Auto: Ein Prüfprogramm von Anthropic schaut auf Claudes Schritte, statt dich zu fragen. Erscheint nur, wenn dein Konto und das gewählte Modell das hergeben.
Ist Claude fertig, siehst du oben eine Anzeige wie +42 -18, also wie viele Zeilen dazugekommen und weggefallen sind. Ein Tipp darauf zeigt dir die Änderungen. Du kannst einzelne Zeilen kommentieren, Claude weiterarbeiten lassen oder mit Create PR einen Pull Request anlegen. Das ist der Vorschlag, die Änderungen in deinen Hauptstand zu übernehmen.
Mehrere Aufgaben gleichzeitig
Jede Cloud-Session bekommt ihren eigenen Rechner und ihren eigenen Branch. Du kannst also drei Aufgaben auf einmal starten, und keine kommt der anderen in die Quere. Im Terminal sieht das so aus:
claude --cloud "Schreib die FAQ auf der Preisseite neu"
claude --cloud "Prüf alle Links auf der Website und reparier kaputte"
claude --cloud "Mach die Bilder im Ordner public kleiner"
Anthropic gibt in der Doku selbst den Tipp, am eigenen Rechner zu planen und in der Cloud bauen zu lassen. Du besprichst mit Claude lokal im Plan-Modus, was passieren soll, speicherst den Plan als Datei im Projekt, lädst ihn hoch und schickst dann eine Cloud-Session los, die den Plan abarbeitet. Alle Sessions laufen übrigens über dasselbe Nutzungslimit, drei parallel verbrauchen es entsprechend schneller.
Was in der Cloud fehlt
Die Cloud-Session startet mit einer frischen Kopie deines Repositories. Was nur auf deinem Rechner liegt, ist nicht da.
Diese Dinge kommen mit, weil sie im Projekt liegen:
- die
CLAUDE.mdim Projekt - Skills, Agents und Befehle im Ordner
.claude/des Projekts - MCP-Server, die in der
.mcp.jsondes Projekts stehen - Skills, die du auf claude.ai aktiviert hast
Diese Dinge fehlen, weil sie nur auf deinem Rechner liegen:
- deine persönliche
~/.claude/CLAUDE.mdund deine persönlichen Skills - MCP-Server, die du nur auf deinem Rechner eingerichtet hast
- alles, was in der
.gitignoresteht, also auch deine.env - Dateien außerhalb des Projektordners, etwa deine Notizen oder dein Downloads-Ordner
Die Lösung ist fast immer dieselbe: Was Claude in der Cloud wissen soll, kommt in die CLAUDE.md des Projekts. API-Keys für Dienste, die Claude aufrufen soll, legst du nicht ins Repository. Du hinterlegst sie in den Einstellungen der Cloud-Umgebung auf claude.ai/code als sogenannte Network Secrets. Die Cloud hängt sie an die passenden Anfragen, ohne dass sie im Projekt stehen.
Eine Cloud-Session zurück an den Rechner holen
Willst du an einer Cloud-Session lokal weitermachen, tippst du im Terminal claude --teleport. Du bekommst eine Liste deiner Sessions, wählst eine aus, und Claude holt dir den Branch und den ganzen Gesprächsverlauf an den Rechner. Vorher darf dein Projekt keine ungespeicherten Änderungen haben, Claude fragt dich sonst, ob er sie beiseitelegen soll.
Andersherum geht es aus dem Terminal nicht. Eine laufende lokale Session kannst du nur in der Desktop-App über das Menü Open in in die Cloud schicken.
Hält das oder ist es Hype?
Es hält, für eine bestimmte Art von Arbeit. Alles, was komplett im Projekt steckt, läuft gut in der Cloud: Texte auf der Website ändern, Artikel schreiben, Fehler beheben, Dateien aufräumen, Fragen zum Projekt beantworten. Dafür ist es gebaut. Du schickst die Aufgabe los, gehst raus und schaust abends nach.
Schwach wird es, sobald die Aufgabe etwas braucht, das nur auf deinem Rechner existiert: deine Notizen in Obsidian, ein Programm, das nur bei dir installiert ist, ein Login im Browser. Dann fehlt Claude in der Cloud die Hälfte, und Remote Control ist die bessere Wahl. Wer noch gar nicht mit Claude Code angefangen hat, startet besser bei den ersten drei Schritten und kommt danach hierher zurück.
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Quellen
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