Ein Entwickler hat mit Claude Opus 5.5 Photoshop, Premiere, Lightroom und vier weitere Adobe-Programme nachgebaut. Die Apps heißen PhotoCraft, FilmCraft, LightCraft und so weiter, sie sind kostenlos, Open Source und laufen auf Mac, Windows und Linux. Menüs, Kürzel und Panels sitzen da, wo du sie von Adobe kennst. Laut Akita on Rails steckt der Entwickler Brandon Thomas aus Atlanta dahinter.
Inzwischen sind es 13 Apps, auch Word, Excel, PowerPoint und AutoCAD haben ihren Nachbau bekommen. PhotoCraft allein hat auf GitHub gut 66.500 Sterne (Stand 18.10.2026). Hier findest du alle offiziellen Links, wie weit die Apps sind und einen Prompt, mit dem Claude Code dir eine Funktion dazubaut, die dir fehlt.
Lade nur von diesen zwei Adressen
Die Apps gibt es offiziell nur hier:
- Website: getartcraft.com/apps
- Code und Installer: github.com/storytold
Sobald etwas viral geht, tauchen Kopien auf. Am 14.10. habe ich auf GitHub zwei Repos von fremden Accounts gefunden (ArtCraft-Corp und PhotocraftAdobe), die mit einem Gratis-Download als Zip lockten und deren Code-Dateien nur leere Attrappen waren. Beide sind inzwischen gelöscht (geprüft am 18.10.). Das Muster ist bekannt: Im Juni flog eine Kampagne mit 10.000 gefälschten GitHub-Repos auf, die genau so Schadsoftware verteilt hat.
Daneben gibt es auf GitHub viele ehrliche Projekte von Dritten, etwa Plugins oder Linux-Pakete. Für den Anfang lässt du die links liegen. Die echten Mac-Installer sind laut README signiert und von Apple notarisiert. Warnt dein Mac beim Öffnen vor einem nicht verifizierten Entwickler, lösch die Datei und lade neu von einer der zwei Adressen oben.
Die sieben Adobe-Nachbauten
Den Stand habe ich aus den READMEs der Repos übernommen. Die Prozentzahlen schätzen die Entwickler selbst, sie sagen, wie nah die App an einem echten Ersatz für die Arbeit ist.
| App | Ersetzt | Stand laut Entwicklern |
|---|---|---|
| PhotoCraft | Photoshop | Early Alpha, noch kein Ersatz für tägliche Profi-Arbeit |
| VectorCraft | Illustrator | Alpha, rund 65 % bereit für echte Arbeit |
| FilmCraft | Premiere Pro | Alpha, rund 56 % bereit für echte Projekte |
| LightCraft | Lightroom | Alpha, rund 61 % als Alltags-Ersatz |
| PdfCraft | Acrobat | Alpha, rund 55 % für Lesen, Kommentieren, Formulare und Seiten sortieren |
| EffectCraft | After Effects | „jung und schnell unterwegs, schon nutzbar” |
| DesignCraft | InDesign | laut Roadmap noch vor der Alpha |
Den Code jeder App findest du unter github.com/storytold/ plus dem Namen in Kleinbuchstaben, also zum Beispiel github.com/storytold/photocraft oder github.com/storytold/filmcraft.
Die sechs anderen Apps
Seit Anfang Oktober sind Nachbauten für Programme anderer Hersteller dazugekommen. Alle stehen auf der Übersichtsseite und laufen laut ArtCraft noch „in Entwicklung” oder als Early Alpha.
- WordCraft: Textverarbeitung im Stil von Microsoft Word
- GridCraft: Tabellen im Stil von Microsoft Excel
- DeckCraft: Präsentationen im Stil von Microsoft PowerPoint
- CADCraft: technisches Zeichnen im Stil von AutoCAD
- SoundCraft: Audio aufnehmen und mischen im Stil von Avid Pro Tools
- FigCraft: Interface-Design und Klick-Prototypen
So installierst du sie
Am einfachsten geht es mit dem ArtCraft Launcher. Den lädst du über den Button „Download Launcher” auf getartcraft.com/apps oder direkt aus dem offiziellen Release auf GitHub. Auf dem Mac nimmst du die Datei mit macos-universal.dmg am Ende. Der Launcher zeigt dir alle Apps, installiert die gewünschte mit einem Klick und hält sie aktuell.
Willst du nur eine App, scrollst du auf ihrer Seite bei getartcraft.com runter bis „Download it standalone”. Dort gibt es den Installer für dein System einzeln. Fast alle Apps kannst du außerdem im Browser ausprobieren, ohne etwas zu installieren.
Was hält und was Hype ist
Was hält: Die Apps gibt es, mit fertigen Installern für jedes System. Gizmodo hat PhotoCraft getestet und nennt es laut Akita on Rails ein wackliges, aber echtes Photoshop. PhotoCraft hat Ebenen, Masken, Einstellungsebenen und Ebenenstile und öffnet PSD-Dateien. FilmCraft hat eine echte Timeline mit Schnittmodi und Farbkorrektur. Alles läuft lokal auf deinem Rechner, ohne Konto und ohne Abo. Und der Code ist offen, du darfst ihn ändern.
Was du wissen solltest: Das erste Repo ist am 30. September angelegt worden. Das ist alles Alpha-Software, und die Entwickler sagen das selbst sehr offen. Bei PhotoCraft fehlen laut README vor allem die KI-Funktionen wie Generative Fill, 15 Werkzeuge und die Unterstützung für Photoshop-Plugins. FilmCraft kann keine Premiere-Projekte öffnen. Akita on Rails hat Mitte Oktober über 800 offene Fehlermeldungen allein bei PhotoCraft gezählt. PhotoCraft hat seit dem 2. Oktober zwölf Versionen veröffentlicht, da kann sich auch mal etwas ändern, das gestern noch lief.
Mein Urteil: Wenn du Photoshop oder Lightroom nur für ein paar Grundsachen bezahlst, teste die App eine Woche mit deinen echten Aufgaben. Wenn du damit Geld verdienst und auf jedes Detail angewiesen bist, behalte das Abo vorerst.
Fehlt dir eine Funktion? Claude baut sie dir dazu
Weil der Code offen ist, kannst du die App auf deinem Rechner selbst erweitern lassen. Das Projekt ist darauf ausgelegt: Im Repo liegt eine Datei AGENTS.md, die KI-Agenten wie Claude erklärt, wie die App aufgebaut ist und wie man eine neue Funktion einbaut. Die Apps sind in der Programmiersprache Rust geschrieben. Das musst du nicht können, Claude richtet alles ein.
Leg vorher einen leeren Ordner an, starte Claude Code darin und kopier diesen Prompt rein. Die Funktion in der letzten Zeile ersetzt du durch deine:
Ich will die Open-Source-App PhotoCraft auf meinem Mac selbst bauen und um eine Funktion erweitern.
Das Original liegt nur unter https://github.com/storytold/photocraft (GitHub-Organisation storytold, Website getartcraft.com).
1. Klon das Repo mit "git clone https://github.com/storytold/photocraft.git ~/Tools/photocraft".
Prüf mit "git -C ~/Tools/photocraft remote get-url origin", dass es wirklich github.com/storytold/photocraft ist.
Lade nichts von anderen Accounts oder Seiten herunter und installier keine Kopien mit ähnlichem Namen.
2. Lies AGENTS.md und docs/development.md im Repo und halte dich an die Regeln darin.
3. Prüf, ob Rust installiert ist ("cargo --version"). Fehlt es, sag mir, wie ich es über die offizielle Seite rustup.rs installiere, und warte auf mein OK.
4. Bau die App einmal unverändert mit "cargo run --release -p photocraft" und sag mir, ob sie startet.
Der erste Build kann dauern, das ist normal.
5. Leg einen eigenen Git-Branch an und bau dort die Funktion unten ein.
Halte dich an die Checkliste zum Hinzufügen eines Befehls in docs/contributing.md, schreib einen Test dazu und lass "cargo test --workspace" laufen.
6. Starte die App neu und sag mir in einfachen Worten, wo ich die neue Funktion finde und wie ich sie teste.
Ändere nichts außerhalb von ~/Tools/photocraft.
Die Funktion, die mir fehlt: [hier beschreibst du sie, z. B. "ein Menüpunkt, der alle Ebenen auf einmal als einzelne PNG-Dateien exportiert"]
Für eine andere App tauschst du in den Zeilen 1 und 4 photocraft gegen den Namen der App, also zum Beispiel filmcraft oder lightcraft. Der Startbefehl folgt bei allen Apps demselben Muster, bei FilmCraft heißt er zum Beispiel cargo run --release -p filmcraft.
Zwei Dinge solltest du wissen. Deine erweiterte Version läuft nur bei dir. Der Launcher kennt sie nicht, Updates holst du dir mit „hol die neueste Version und bau meine Funktion wieder ein”. Und bevor Claude mitten im Bauen eine große Umstellung vorschlägt, frag nach, was sie bringt. Kleine, klar beschriebene Funktionen klappen besser als „mach mir Generative Fill”.
Neben dem Erweitern kann Claude die Apps auch direkt bedienen. VectorCraft, FilmCraft, LightCraft, PdfCraft, DesignCraft und PhotoCraft bringen dafür einen MCP-Server mit, also eine Schnittstelle, über die Claude jeden Menüpunkt selbst auslöst. Die Anleitung steht jeweils im README.
Zum Stöbern
- Alle Crafting Apps auf getartcraft.com
- Alle offiziellen Repos auf GitHub (storytold)
- ArtCraft Launcher auf GitHub
- Ehrliche Einordnung von Akita on Rails (Englisch)
Du willst nicht auf einen fertigen Nachbau warten, sondern dir die eine Funktion aus einem teuren Abo selbst bauen lassen? Das geht mit REA in Claude Code.
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Quellen
- getartcraft.com/apps: offizielle Übersicht aller Crafting Apps
- GitHub: Organisation storytold (ArtCraft), alle offiziellen Repos
- GitHub: storytold/photocraft (README mit Status early alpha)
- PhotoCraft: AGENTS.md, Anleitung für KI-Agenten und Mitwirkende
- GitHub: storytold/craft-launcher (installiert und aktualisiert alle Apps)
- Akita on Rails: AI Reverse Engineering, Is Adobe Dead? (13.10.2026)
- VPNCentral: 10.000 gefälschte GitHub-Repos mit ZIP-Download (22.06.2026)
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