Freitagnachmittag, die Kundenpräsentation muss Montag stehen, und du sitzt vor einer leeren Folie im Firmen-Template. Die Struktur im Kopf ist fertig, aber jede Folie einzeln bauen, Aufzählungen in ein sauberes Diagramm bringen, alles im richtigen Corporate-Layout halten, das frisst Stunden. Genau hier setzt Claude für PowerPoint an, und ich habe mir angeschaut, was das Add-in wirklich leistet.
Was Claude für PowerPoint ist
Claude für PowerPoint ist ein offizielles Add-in von Anthropic, das den KI-Assistenten als Seitenleiste direkt in PowerPoint holt. Du beschreibst auf Deutsch, was du brauchst, und Claude baut komplette Deck-Strukturen aus deiner Textbeschreibung, bearbeitet einzelne Folien gezielt und wandelt Aufzählungspunkte in Diagramme und native PowerPoint-Charts um. Es läuft ohne eine Zeile Code. Freigeschaltet ist es laut Anthropics Support-Seite ab dem Pro-Abo, dazu Max, Team und Enterprise.
Der eine Punkt, der Claude für PowerPoint von “KI baut mir irgendwelche Folien” unterscheidet: Es liest deinen Folienmaster. Layouts, Schriften und Farben deiner Vorlage werden gelesen und neue Folien danach ausgerichtet, damit das Ergebnis im Firmen-Design bleibt statt bunt zusammengewürfelt auszusehen.
Was du brauchst
- Ein Claude-Abo ab Pro (Max, Team oder Enterprise gehen auch). Mit dem kostenlosen Konto meldet sich das Add-in nicht an.
- PowerPoint im Web, auf Windows (Microsoft 365) oder auf dem Mac. Ältere Versionen wie PowerPoint 2016 oder 2019 werden laut Anthropic nicht unterstützt, ebenso wenig PowerPoint auf dem iPad oder unter Android.
- Ein paar Minuten für die Installation.
Wenn du Claude schon fürs Büro nutzt, ist das hier dieselbe Add-in-Familie wie Claude für Excel und das Outlook-Add-in aus Email-Triage mit Claude. Wer eins einmal installiert hat, kennt den Ablauf.
Claude für PowerPoint installieren: Schritt für Schritt
- Marketplace öffnen. Geh auf das Listing “Claude by Anthropic for PowerPoint” im Microsoft Marketplace. Alternativ in PowerPoint oben auf Einfügen → Add-Ins abrufen.
- Add-in holen. Klick auf “Jetzt abrufen”. Microsoft installiert das Add-in in deine Office-Umgebung.
- In PowerPoint aktivieren. Öffne PowerPoint, aktiviere das Add-in und melde dich mit deinem Claude-Konto an.
- Seitenleiste nutzen. Claude erscheint als Panel am rechten Rand. Ab jetzt tippst du deine Anweisung rein, etwa “Bau mir aus dieser Gliederung ein Fünf-Folien-Deck” oder “Mach aus den Stichpunkten auf Folie 3 ein Diagramm”.
Ein Tipp aus der Praxis: Im Add-in gibt es ein Anweisungsfeld, in das du dauerhafte Vorgaben schreiben kannst, etwa deine Marken-Regeln oder die bevorzugte Folienstruktur. Die gelten dann für jede Unterhaltung, du musst sie nicht jedes Mal wiederholen.
Arbeitest du in einer Firma mit verwaltetem Microsoft 365, macht die Installation meist die IT über das Admin Center. Für dich privat reichen die vier Schritte oben.
Was Claude in PowerPoint kann, und was nicht
Ehrlich ist wichtiger als vollständig. Claude für PowerPoint nimmt dir echte Fleißarbeit ab, ist aber ausdrücklich eine Beta im Rahmen einer Forschungsvorschau, und auf dem Microsoft Marketplace berichten Nutzer von Fehlern. Diese Grenzen stehen so in der offiziellen Doku, nicht in einem Marketing-Text.
| Claude für PowerPoint kann | Claude für PowerPoint kann nicht |
|---|---|
| Ganze Decks aus einer Textbeschreibung erstellen | Fehlerfrei arbeiten (Beta, Ausgaben prüfen) |
| Einzelne Folien gezielt ändern, ohne alles neu zu bauen | Finale Kundenunterlagen ungeprüft liefern |
| Aufzählungen in Diagramme und native Charts umwandeln | Dein Design-Urteil ersetzen |
| Layouts, Schriften und Farben aus dem Folienmaster übernehmen | Template-Treue garantieren (nachkontrollieren) |
| Dauerhafte Vorgaben im Anweisungsfeld merken | Hochsensible, regulierte Daten sicher verarbeiten |
Anthropic selbst rät ab, die Ergebnisse ungeprüft für finale Kundenpräsentationen zu nutzen oder Claude als Ersatz für dein gestalterisches Urteil zu sehen. Das deckt sich mit meinem Grundsatz: Ein KI-Assistent liefert einen schnellen ersten Entwurf, kein fertiges Ergebnis. Deck bauen lassen, jede Folie einmal durchklicken, Zahlen und Aussagen gegenlesen, dann rausgeben.
Was mit deinen Daten passiert
Diese Frage tippen viele in die Suche, und die Antwort ist erfreulich konkret. Laut Anthropic werden Ein- und Ausgaben auf dem Backend automatisch innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt oder Erzeugung gelöscht. Der Chatverlauf des Add-ins liegt lokal in deinem Browser, gespeichert über IndexedDB, nicht auf Anthropic-Servern. Er bleibt zwischen den Sitzungen erhalten und lässt sich von Hand löschen.
Für dich heißt das: Deine Präsentation wird zur Bearbeitung an Claude geschickt, bleibt aber nicht dauerhaft dort liegen. Bei wirklich sensiblen, regulierten Inhalten rät Anthropic trotzdem ausdrücklich vom Einsatz ab. Wer generell verstehen will, wie man einer KI nur so viel Zugriff gibt wie nötig, findet das Prinzip in Claude Code sicher einrichten: erst verstehen, was das Werkzeug sieht, dann freigeben.
Für wen sich das lohnt, und für wen nicht
Lohnt sich, wenn du regelmäßig Präsentationen baust, im festen Firmen-Template arbeitest und die stumpfe Fleißarbeit loswerden willst, Folien aus einer Gliederung aufziehen, Stichpunkte in Diagramme bringen, Layouts angleichen. Für den IT-Berater, der Montag früh ein sauberes Kundendeck braucht, spart der erste Entwurf echt Zeit.
Lohnt sich nicht, wenn du nur das Gratis-Konto hast, deine Folien pixelgenaues Design brauchen, das keine KI trifft, oder deine Inhalte so sensibel sind, dass sie den Rechner nicht verlassen dürfen. Und weil es Beta ist, würde ich mich vor einem wichtigen Termin nicht blind darauf verlassen, sondern genug Zeit zum Nachkontrollieren einplanen.
Wenn du Claude auch für Tabellen einsetzen willst, ist Claude für Excel installieren der passende nächste Schritt. Mehr getestete Schritt-für-Schritt-Anleitungen sammle ich in der Tutorial-Übersicht.
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